von unserem Mitarbeiter Werner Reissaus

Himmelkron — Zu einem geistlichen und kulturellen Brückenschlag nach Bolivien hatte die Evangelische Kirchengemeinde Himmelkron am Buß- und Bettag in die Stiftskirche eingeladen. Der Abendmahls-Gottesdienst wurde von 19 Musikern aus dem bolivianischen Tiefland mitgestaltet. Auch nach dem Gottesdienst gaben die Gäste noch einige Kostproben ihres Könnens.
Es handelte sich dabei um das Jugend-Orchester der Musikschule aus San Ignacio de Moxos. Die Musikschule begann vor 15 Jahren mit ihrer Arbeit und hat sich heute in eine Einrichtung verwandelt, die kostenlose musikalische Ausbildung für mehr als 200 Kinder und Jugendliche - alle Angehörige des Moxos-Volkes - in San Ignacio anbietet.
Das Orchester präsentierte Barockmusik, deren Tradition bis zu den Jesuiten-Missionen des 17. und 18. Jahrhunderts zurückreicht und sich mit dem kulturellen Erbe der indigenen Bevölkerung verbunden hat. Im Jahr 1990 wurden diese Missionen im bolivianischen Tiefland von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt.


Eine gerechtere Gesellschaft

Das Ensemble widmet sich der Aufgabe, das musikalische Erbe aus der Zeit der Missionare zu retten und zu fördern. Die jungen Leute indianischer Herkunft, die Jahre der Unterdrückung, des Vergessens und des Elends erlebt haben, haben in ihrer Musik eine Tradition gefunden, die an den Glanz einer gerechteren Gesellschaft erinnert, in der zwei Welten in Frieden und Wohlstand zusammen lebten.
Nach der Vertreibung der Jesuiten 1767 nahmen die Indianer ihr Schicksal selbst in die Hand, fuhren fort zu singen und ihre Geigen zu spielen mitten im Urwald - und sie flohen vor den Weißen, ob sie nun Spanier oder Republikaner waren, gemäß den wechselnden Machtverhältnissen in der Geschichte. Heute bekommt diese Musik eine neue Bedeutung und eine neue Funktion, sie bestärkt das Volk der Moxos in seiner indianischen Identität und bewahrt die Erinnerung an ihre Vorfahren.