Zum geplanten Hotel am Anger ging folgender Leserbrief ein: Ich plane nach 13 Jahren meine Rückkehr aus der Großstadt in die oberfränkische Heimat Coburg. Mit Schrecken jedoch habe ich die Visualisierung des geplanten Hotels auf dem Anger zur Kenntnis genommen, die mir den Magen umdreht.

Unabhängig davon, wie sich die Realisierungsplanung nun darstellen soll, muss konstatiert werden, dass Coburg Gefahr läuft, vielfach dagewesene, gravierende städtebauliche, planerische und gestalterische Fehler wieder zuzulassen. Die Liste ähnlicher Verfehlungen im Bundesgebiet lässt sich beliebig lang fortführen.

Die gesichtslose, austauschbare Fassadengestaltung ist an Anspruchslosigkeit kaum zu überbieten. Wichtige städtebauliche Blick- und Verkehrsachsen werden völlig missachtet, die Höhenentwicklung korrespondiert nicht mit dem städtebaulichen Kontext, die Gestaltung der Außenanlagen wirkt banal und einfallslos und die städtebauliche Setzung scheint, als hätte ein Kleinkind mit Legosteinen gespielt. Der Gedanke, dass die Außenhaut dieser Haltung entsprechend mit einem Wärmedämmverbundsystem aus weiß verputztem Kunststoff überzogen und die Fensterelemente aus Plastik ausgeführt werden sollen, ist naheliegend und lässt einen erschauern.

Die völlige Missachtung der östlich mit Denkmälern gespickten hohen Straße ist mindestens als "unfreundlich" zu werten und das Blau des unbeholfen angesteckten dreigeschossigen Nebengebäudes wirkt hilflos gegenüber historischen Farbkompositionen.

Diese Entwicklung bringt der Stadt ein einfallsloses siebengeschossiges Monstrum, das ohne jeden Anspruch und Sensibilität für Stadt und Mensch höchstens das Niveau eines Plattenbaus erreichen kann und die südliche Ketschenvorstadt um einen weiteren Bau planerischer Ignoranz bereichern würde.

Mit Blick auf das Verwaltungsgebäude der SÜC und das Justizgebäude kann die Coburger Bevölkerung erkennen, was für bedauernswerte Folgen die Erschaffung und Duldung einer seelenlosen Provinzarchitektur für Stadt und Menschen hat. Es bleibt zu hoffen, dass nicht dem kurzfristigen und unsensiblen Gewinnstreben eines Investors nachgegeben wird, sondern sich die handelnden Akteure dem ernsthaften Versuch unterziehen, eine Vision und ein intelligentes Gesamtkonzept zu erarbeiten, das einerseits des Stad te ingangs würdig ist und sich andererseits auf fachliches Geschick verlässt, wie städtisches Leben geschaffen und historische und städtebauliche Qualität erhalten werden können. Dipl.-Ing. Univ. Architekt David Lindner, München