Michael Memmel Die Bamberger CSU-Fraktion droht zu hyperventilieren. Sie wittert "behördliche Übergriffe", befürchtet gravierende "Folgeschäden", extreme Benachteiligung von ausländischen Kindern und spricht der Stadtverwaltung hier jegliche Qualifikation und Befugnis ab! Holla, welcher großen Sache sind die Unterzeichner des dazugehörigen Antrags, die Stadträte Helmut Müller und Gerhard Seitz, denn da auf der Spur? Manipulationen bei den Stickstoffdioxid-Messungen im Stadtgebiet? Geheime Pläne für ein Muna-Freizeitland mit Achterbahnfahrt durch die alten Bunker? Oder gar ein Gammelfleisch-Skandal in der AEO?

Weit gefehlt: Die beiden CSUler (in diesem Fall keine "-innen") sind über die "geschlechtergerechte Sprache" gestolpert und sehen das Kulturgut deutsche Sprache bedroht. Egal ob Genderstern, Binnen-I oder Unterstrich - solche Sprachregelungen seien "grammatisch zweifelhaft" und verstießen gegen die deutsche Rechtschreibung. Und weil der Fraktion aufgefallen sei, dass von der Verwaltung bei der Erstellung von Sitzungsvorträgen oder Briefen sowie in Besprechungen in jüngster Zeit solche Formulierungen verwendet würden, wünscht sie sich ein Bekenntnis zur deutschen Rechtschreibung und eine Abkehr von diesen Sprachverirrungen. Mehr noch: Die Stadt solle andere Weltkulturerbestädte ermuntern, ihrem Beispiel zu folgen.

Sicher, über das Thema muss geredet werden. Aber ob es ein drängendes Problem für Bamberg ist? Liebe CSU-Fraktion, die Bamberger und Bambergerinnen, die Bamberger*, die BambergerInnen, die Bamberger_innen, die Bambergenden, also einfach "ölla Bambercha", dürfte der Schuh in ihrer Stadt an anderer Stelle erheblich mehr drücken. Wir (w/m/d) sind gespannt, ob ihr die Schmerzpunkte bald findet.