Als „Meilenstein für unsere Gemeinde“ bezeichnete die Rabbinerin der liberalen Jüdischen Gemeinde Mischkan ha-Tfila, Antje Yael Deusel, die Vertragsunterzeichnung für zwei neue Friedhofsflächen hinter der Friedhofsmauer an der Gundelsheimer Straße parallel zur Coburger Straße. Denn ein „Guter Ort“, wie der jüdische Friedhof auch genannt wird, sei ein wichtiger Bestandteil einer jeden Gemeinde, so Deusel.

Das fragliche Areal war im Bebauungsplan bereits als zukünftige Friedhofserweiterungsfläche festgesetzt. Es bietet den großen Vorteil, den neuen jüdischen Friedhofsteil direkt vom bisherigen jüdischen Friedhof aus fußläufig erreichen zu können. Auch der Erste Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Martin Arieh Rudolph, freut sich über diesen wegweisenden Schritt für die IKG: „Nunmehr haben wir nach langen Verhandlungen einen neuen jüdischen Friedhof . Wir danken der Stadt Bamberg sehr für die Ermöglichung dieses neuen und wichtigen Teils für die jüdischen Gemeinden, die nunmehr keine Angst mehr haben müssen, dass ihre Mitglieder womöglich nicht in Bamberg beerdigt werden könnten.“

„Mit dieser Vertragsunterzeichnung kann nun für lange Zeit garantiert werden, dass die jüdischen Gemeinden ihren Mitgliedern eine angemessene Grabstätte zur Verfügung stellen können“, freute sich Oberbürgermeister Andreas Starke .

Der heutige jüdische Friedhof in der Siechenstraße wurde 1851 eröffnet. Die Debatte um eine notwendige Erweiterung reicht bereits in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück, wo sie allerdings in der Zeit des Nationalsozialismus auf wenig Gegenliebe stieß. 1943 wurde die Gemeinde zwangsaufgelöst, der Friedhof beschlagnahmt und das Taharahhaus von der Firma Bosch genutzt. Bereits seit 1946 wird dort wieder beigesetzt.

Seit mindestens 20 Jahren ist die israelitische Kultusgemeinde erneut intensiv bemüht, eine neue Friedhofsfläche zu erwerben. Denn es war klar, dass der Friedhof in wenigen Jahren vollständig belegt sein würde. Da es im jüdischen Friedhof keine Maximalbelegungsfristen gibt und dem Toten der Grabplatz auf ewig gehört, muss, wenn der Friedhof belegt ist, nach einem Ausweichplatz gesucht werden. „Es ist eine der grundlegenden Aufgaben einer jüdischen Gemeinde, noch vor der Schaffung einer Synagoge für die ordnungsgemäße jüdische Beisetzung ihrer Mitglieder auf dem „Guten Ort“, dem jüdischen Friedhof , zu sorgen. Ein Friedhof muss zudem auch im Alleineigentum der jeweiligen jüdischen Gemeinde sein“, betont Martin Arieh Rudolph.

Die Israelitische Kultusgemeinde war deswegen schon Ende des Jahres 2015 an die Stadt Bamberg mit der Bitte herangetreten, eine Fläche für einen zusätzlichen jüdischen Friedhof zu finden. Intensiviert wurden die Verhandlungen zwischen der Stadt und der IKG sowie der mittlerweile eigenständigen neuen Liberalen Jüdischen Gemeinde Mischkan ha-Tfila Bamberg allerdings erst ab dem Jahr 2018. Nachdem sich die Planungen für einen gemeinsamen neuen jüdischen Friedhofsteil nicht realisieren ließen, einigte man sich schließlich darauf, zwei getrennte neue jüdische Friedhöfe zu errichten. red