Die Bamberger Symphoniker haben Wort gehalten. Als sie vor gut einem Jahr ein „BambergDiary“ genanntes Buch herausgaben, wurde dieser Titel durch das Kürzel „#1“ ergänzt. Will heißen, dass hier der Beginn einer Reihe von Veröffentlichungen angekündigt wurde, also auf eine Fortsetzung zu hoffen war.

Die liegt nun vor, heißt zwangsläufig „BambergDiary#2“ (Nimbus Verlag, 160 Seiten, 28 Euro) und besticht schon auf den ersten Blick durch sein wertiges Äußeres. Die Grundidee der Buchreihe ist anspruchsvoll: Sie soll die geneigte Leserschaft „zusammen mit dem Orchester einmal um die ganze Welt führen“. Wer wäre dafür geeigneter als die Bamberger Symphoniker , denen aufgrund ihrer wichtigen Aufgabe als Kulturbotschafter das Konzertieren in fremden Ländern, mithin das Reisen, sozusagen in den Genen liegt?

Dynamische Aufnahmen

Das erste Diary galt diversen europäischen Reiseeindrücken in den Jahren 2018 und 2019. Das zweite ist nun Asien gewidmet, genauer gesagt den zahlreichen Reisen ins Reich der Mitte. Dorthin brach das Orchester bereits 1982 zum ersten Mal auf und war damals Pionier.

Von der vorerst letzten Reise nach China, die noch kurz vor dem Ausbruch der Pandemie realisiert werden konnte, stammt das reichhaltige Bildmaterial des Buches . Die dynamischen Fotos von Andreas Herzau geben sowohl Eindrücke vom Reisealltag der Musiker und Musikerinnen als auch vom prallen Leben im Zielland wieder.

Holger Noltze steuert mit seinen „Polaroids“ interessante Streiflichter aus China bei und führt ein Interview mit Intendant Marcus R. Axt sowie dem Promoter Jiatong Wu.

Im Fokus steht das Thema „Wie Beethoven nach China kam“, darüber hinaus natürlich die Frage, wie und wann die klassische Musik westlicher Prägung überhaupt ihren Weg ins Reich der Mitte fand.

Für die Gäste aus Europa ist dabei von besonderem Interesse, wie sich das Rezeptionsverhalten des chinesischen Publikums in den letzten Jahrzehnten verändert hat – nämlich zum Positiven.

Besonders lesenswert ist der Beitrag des Bonner Professors Xeuwu Gu unter der Überschrift „Anders tickend“, der grundsätzliche Unterschiede in Traditionen und Mentalitäten beleuchtet, dabei aber auch kritische Fragen berührt.

Insgesamt bestätigt die Lektüre dieses repräsentativen Bandes, wie essenziell kultureller Austausch doch ist und wie aktuell Yehudi Menuhin Slogan „East meets West“ bleiben sollte.