Roland Dietz

Gelebter Glaube über Landkreisgrenzen hinweg zeigt sich in der evangelische Kirchengemeinde Weismain (Landkreis Lichtenfels) und Buchau (Landkreis Kulmbach) schon lange. Deutlich wurde dies nun am Sonntag in der Buchauer Kirche, denn beim Gottesdienst wurde die Vikarin Christina Saueracker verabschiedet. In Weismain , Buchau sowie in den Schulen in Burgkunstadt und Kulmbach, wo sie tätig war, konnte sie sich mit ihrer menschengewinnenden Art in ihrer knapp dreijährigen Ausbildung stark einbringen. So war ihr Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge verbunden.

Vikarin Saueracker war gut zweieinhalb Jahre zur Ausbildung in der Kirchengemeinde tätig und wohnte in dieser Zeit in Giechkröttendorf. Das Vikariat ähnelt dem Referendariat in einer Schule und wird zweigleisig in einer Kirchengemeinde und am Predigerseminar in Nürnberg und in heimischen Schulen absolviert. Nachdem sie im Herbst ihr zweites kirchliches Examen bestanden hat, hieß es nun Abschied nehmen für Christina Saueracker. Nach ihrer gelungenen Ausbildung zur Pfarrerin tritt sie nun zusammen mit ihrem Verlobten Jacob Neunhoeffer eine 100-Prozent-Pfarrstelle im mittelfränkischen Zugenheim-Ehegrund (Landkreis Neustadt-Aisch) an.

Die 28-jährige Seelsorgerin gibt gerne zu, dass sie in ihrem Vikariat und bei der Ausbildungsstelle viel lernen durfte. Zwar habe es erst einmal Berührungsängste und Skepsis zur Gemeinde gegeben, doch diese seien schnell verflogen, wurde sie doch von der Kirchengemeinde sehr positiv aufgenommen. Sie musste erfahren, dass Grenzen bestehen, obwohl viel bewirkt werden konnte. Auf ihr schnelles Tempo beim Predigen, Laufen, Reden und Lehren ist sie schon angesprochen worden, wie sie einräumte. „Leider bin ich manchmal immer noch aufgeregt und es sprudelt richtig aus mir heraus, was für alle nicht immer einfach ist“, meinte sie in ihrer letzten Ansprache. In die Schule sei sie deswegen wie zum Altar manchmal regelrecht gesprintet. Trotzdem habe sie Ratschläge, wenn es einmal überhaupt nicht klappen wollte, gerne angenommen.

Damit, dass sie nun als Pfarrerin tätig sein kann, geht für sie ein Berufswunsch in Erfüllung. Sie habe erleben dürfen, dass es mit der Verkündigung des Wortes Gottes so sei, dass man das Thema, um welches es gehe, verinnerlichen müsse. Denn nur so dringe dieses Wort lebendig und kräftig mit Gottes verbundener Liebe zu den Menschen durch. Diese Liebe gehe oft durch Mark und Bein, und das Leben mit Gott sei oft in einem anderen Licht zu sehen. Hier sei oft viel Geduld nötig, was auch zu ihrer Lernphase gehört habe, erzählte sie.

Die Lieder „Vertrau den neuen Wegen“ und der „Irische Reisesegen“ mit der Botschaft „Halte Gott dich fest in seiner Hand“ passten gut zu den Abschiedsworten der Vikarin.

„Ein Glücksfall“

Christina Saueracker habe gelernt, gelehrt, gelebt, geholfen und gearbeitet und damit als Vikarin einen wesentlichen Beitrag zum gemeinschaftlichen Zusammenleben geleistet, sagte Pfarrer Ulrich Jobst. Im Namen seiner Pfarrersfrau Claudia und der ganzen Pfarrgemeinde stellte er fest: „Du warst in deiner Ausbildungsstätte der evangelischen Kirchengemeinde Weismain- Buchau in verschiedenen Tätigkeitsbereichen ein Glücksfall.“

Ähnlich sah es Vertrauensfrau Karin Müller. Christina Saueracker habe ihr hohes Talent im theologischen Bereich bewiesen. Besonders die Predigten waren laut Müller immer am praktischen Handeln angelehnt. Die gemeindliche Arbeit sei immer von hohem gegenseitigen Verständnis geprägt gewesen. Karin Müller überreichte ihr als Andenken ein Buch mit Wünschen für den weiteren Lebensweg.

Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende der katholischen Pfarrei Sankt Martin Weismain , Dieter Wolf, erinnerte, dass es wegen der Pandemie nur wenige Begegnungen der beiden Konfessionen in Weismain gegeben habe. Dennoch habe man bei Christina Saueracker viel Freude am ökumenischen Gedanken spüren können.

Weitere Abschiedsworte sprachen Reimund Pretzer, der Schulpfarrer am Caspar-Fischer-Gymnasium Kulmbach, und Angelika Geyer, Religionslehrerin an der Friedrich-Baur-Grundschule in Burgkunstadt. Organist Markus Karitke beendete den Gottesdienst mit dem großartigen „Trumpet Tune“.