Michael Memmel

Warum eigentlich körbeweise Akten aus dem Rathaus schleppen? Man muss nur warten können! Wenn früher Staatsanwälte mühevoll Zeugen befragen und Schriftstücke wälzen mussten, um die Wahrheit ans Licht zu bringen, genügt es heute, ein halbes Auge auf die Sozialen Netzwerke zu werfen – und eben zu warten. Im Kampf um möglichst viel Aufmerksamkeit stolpert schon irgendwann jemand über die eigene Profilierungssucht.

Gestern ist das Hans-Günter Brünker passiert, seit einem Jahr Stadtrat und seit dem Wochenende der Spitzenkandidat für Volt Deutschland bei der Bundestagswahl . Um das neue Aushängeschild aus Franken bundesweit gleich ordentlich zu pushen, ließ die Europa-Partei auf ihrer Facebook-Seite stolz verlauten: „Hans-Günter Brünker brachte als Stadtrat von Bamberg vor kurzem einen Finanzskandal im Rathaus an die Öffentlichkeit.“ Uups, wurde da etwa jemand als Whistleblower geoutet? Als derjenige, der den ultrageheimen Prüfbericht des Kommunalen Prüfungsverbandes an die Medien weitergegeben hat? Nun, die Staatsanwaltschaft Hof , die in dieser Angelegenheit ermittelt, wird sich dafür sicher interessieren – vorausgesetzt, sie erkennt dahinter mehr als Wahlkampfgetöse.

Bleibt also noch die Frage nach dem oder den Verantwortlichen für die saftigen Bonuszahlungen im Rathaus. Die Staatsanwälte können sich monatelang in Aktenberge stürzen und jede Randnotiz mit der Lupe entziffern. Oder: Sie legen einfach die Beine hoch und warten bis zur nächsten Wahl. Wäre doch gelacht, wenn sich da nicht eine Partei brüsten würde mit: „Unser XY hat die Jobs in der städtischen Verwaltung zu den mit Abstand attraktivsten in ganz Bamberg gemacht.“