Landkreis Bamberg  —  In der Sitzung des Kreisausschusses des Kreistages Bamberg erläuterte die Generationenbeauftragte Maarit Stierle das Seniorenpolitische Gesamtkonzept für den Landkreis Bamberg , das im Februar 2017 der Kreistag beschlossen hatte.

Das Konzept bearbeitet elf Handlungsfelder, darunter „Pflege und Betreuung“ (Pflegebedarfsplanung), „Hilfen für gerontopsychiatrisch erkrankte Menschen“, „Wohnen zu Hause im Alter“ und „Beratung und Information/Öffentlichkeitsarbeit und Mitbestimmung“. Die Pflegebedarfsplanung stellt den Bestand an ambulanten und stationären Pflegeangeboten dar und trifft eine Prognose zur Bedarfsentwicklung. Sie ist infolge demografischer und gesetzlicher Entwicklungen nicht mehr aktuell und musste daher überarbeitet werden. Gleiches gilt für den Bereich „Hilfen für gerontopsychiatrisch erkrankte Menschen“.

Das Institut für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe , Gesundheitsforschung und Statistik in Augsburg erhielt den Überarbeitungsauftrag. Der Leiter des Instituts, Christian Rindsfüßer, erläuterte dem Kreisausschuss die ermittelten Daten und stellte die errechneten Prognosen bis 2031 vor.

Danach wächst der Bedarf an Pflegeleistungen im Landkreis Bamberg von

2019 bis 2031 um 21 Prozent. Das entspricht etwa 1200 Personen.

Die Pflegeeinrichtungen im Landkreis waren Ende 2020 infolge der Corona-Pandemie und aufgrund von Personalmangel nur zu 85 Prozent belegt. Der Bedarf an vollstationärer Pflege steigt dennoch von 2019 bis 2031 um 27 Prozent. Das entspricht 340 Personen. Steigen wird auch der Bedarf an ambulanter Pflege. 22 Pflegedienste boten zum Zeitpunkt der Erhebung mit 287 Pflegekräften ambulante Pflege und häusliche Krankenpflege an.

Zur Entlastung pflegender Angehöriger und zur Unterstützung in Notfällen halten die Experten einen Ausbau der festen Kurzzeitpflegeplätze für dringend erforderlich. „Eingestreute“ Kurzzeitpflegeplätze werden nur insoweit angeboten, wie sie nicht durch einen Dauerpflegebewohner belegt sind. Sie sind deshalb kein konstant zur Verfügung stehendes Angebot.

Um dem Grundsatz „ambulant vor stationär“ gerecht zu werden und pflegende Angehörige zu entlasten, sollten Tagespflege-Einrichtungen ausgebaut werden, lautet eine Empfehlung als Ergebnis aus der Untersuchung. 2019 gab es im Landkreis Bamberg neun Tagespflegen mit 209 Plätzen, die von 283 Klienten besucht wurden.

Mehr Demenzkranke

Die häufigste gerontopsychiatrische Erkrankung ist die Demenz, die dementsprechend bei der Fortschreibung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts im Fokus stand. Mit der Entwicklung der älteren Bevölkerung geht auch ein Anstieg der an Demenz erkrankten Menschen im Landkreis Bamberg einher. Im Vergleich zum Jahr 2019 werden im Jahr 2031 laut einer Hochrechnung des Instituts 517 mehr Menschen mit Demenz im Landkreis leben.

Spezielle Unterstützungsmaßnahmen für Menschen mit Demenz sind dringend erforderlich, hieß es. Dies muss bei der Bewertung von Inhalt und Qualität der Pflegeangebote Berücksichtigung finden. Gleichzeitig müssen Strukturen und Angebote geschaffen werden, die es demenziell Erkrankten ermöglichen, länger zu Hause zu wohnen. Letzteres entspricht dem Grundsatz „ambulant vor stationär“. Ausreichende Wohn- und Beratungsangebote tragen ebenfalls dazu bei.

Senioren und Pflegebedürftige wünschen es sich sehr, dass sie solange wie möglich in ihrem vertrauten Umfeld bleiben können. Dafür brauchen sie und ihre Angehörigen Hilfsdienste und soziale Netze, die sie im Alltag unterstützen. Die Befragung der ambulanten Dienste zeigt jedoch, dass sie im Jahr 2019 zum Großteil entweder der Nachfrage nach unterstützenden Angeboten nicht gerecht werden konnten oder die entsprechenden Leistungen nicht im Angebot hatten. Neben den Unterstützungsangeboten sind seniorengerecht bis barrierefrei ausgestattete Wohnungen nötig, um auch im Alter oder mit Einschränkungen sicher und selbstbestimmt leben zu können.

Das Institut empfiehlt im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, die Bekanntheit vorhandener Beratungs- und Informationsangebote zu verbessern. Hinzukommen sollte die Errichtung eines Pflegestützpunkts für die Stadt und den Landkreis Bamberg , der sich mit Akteuren in der Region vernetzen muss.

Für Maarit Stierle bieten die Empfehlungen den Rahmen für weitere Planungen in der Seniorenhilfe im Landkreis. Als nächster Schritt wird die Umsetzung der Empfehlungen geplant. Der Landkreis Bamberg will dazu zentrale Akteure zu Arbeitsgruppen einladen. Aufgrund der Vielzahl an Empfehlungen wird im Fokus der Arbeitsgruppen zunächst die Priorisierung stehen.

Die Teil-Fortschreibung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts begrüßte der Kreisausschuss des Kreistages Bamberg einhellig. In der Diskussion wurde aber auch klar, dass die Verbesserung der Ist-Situation im Landkreis nur im Zusammenspiel mit allen Akteuren gelingen kann. Dreh- und Angelpunkt wird weiterhin die Frage sein, wie man in Zukunft Fachkräfte gewinnen und wie diese dann vor Ort gebunden werden können.