Im Moment braucht man wohl tatsächlich Superkräfte, um in dieser Zeit Theater anzubieten. Das Team vom Bamberger Kinder- und Jugendtheater Chapeau Claque scheint offenbar welche zu haben. Obwohl bereits die Wintersaison der Pandemie zum Opfer gefallen ist, wagt sich Chapeau Claque mit einer neuen Produktion an die Start-Rampe. "Angstmän" lautet der Titel des Stückes von Hartmut El Kurdi, das am 24. April - so Corona will - Premiere haben wird. Der Autor dürfte vielen auch wegen seiner zahlreichen Kinderbücher ("Johnny Hübner greift ein") bekannt sein.

"Endlich wieder ein Theaterstück für die großen Kinder", freut sich Heidi Lehnert in der Pressemitteilung. "Denn die 8- bis 12-Jährigen sind in unserer Region eine theatral vernachlässigte Altersgruppe", findet die Künstlerische Leiterin von Chapeau Claque.

Und wie lautet das theatrale Rezept, um große Kids zu begeistern? Man nehme ein Stück über Superhelden (und solche, die es werden wollen), füge ein Bühnenbild im hippen Comic-Outfit (Guido Apel) hinzu, mixe stylishe Kostüme (Nikola Voit) und groovige Beats (Musik: Florian Berndt) und kombiniere das Ganze mit drei galaktisch-guten Schauspielern unter dem Kommando eines erfahrenen Regisseurs . Und heraus kommt: "Eine superkomische Geschichte über Angst und Mut, Mobbing und Freundschaft", so Martin Borowski, der zum ersten Mal bei Chapeau Claque inszeniert und gerade als neuer Künstlerischer Leiter des Jungen Theaters Forchheim angetreten ist.

Fußballerndes Powermädel

Dass die (Super-)Heldin des Stücks, Jennifer, kein typisches Girlie, sondern ein fußballerndes Powermädel ist, gefiel dem Ensemble besonders. Allein zu Haus' tut Jennifer erstmal alles, was man sonst nicht darf. Aber irgendwann wird das ziemlich langweilig. Und auch die gruseligen Schatten an der Wand machen dann doch ganz schön Angst . Da rumpelt es plötzlich im Schrank. Jennifer bewaffnet sich mit dem Kerzenleuchter und sieht nach: Da sitzt einer drin! Angstmän, der größte Schisshase des Universums. Hat sich verflogen auf der Flucht vor Pöbelmän, dem gemeinsten Superheldenschwein aller Galaxien. Als der auch noch im Wohnzimmer auftaucht, ist Jennifers Einsatz gefragt ...

Wie die Idee zum Stück entstand, verrät Hartmut El Kurdi: "(...) ich überlegte, was ich als Kind gerne auf der Bühne gesehen, welches Thema, welche Geschichte mich als Theaterstück interessiert hätte. Und da war schnell klar, dass es um Angst gehen musste - weil Angst für mich in meiner Kindheit ein großes Problem war. Ich mochte aber auch schon immer komische, lustige Geschichten, und deswegen wollte ich - trotz des ernsten Themas - unbedingt eine Komödie schreiben. Ich wollte, dass sich das Publikum amüsiert und vielleicht auch die Möglichkeit bekommt, die eigene Angst ein bisschen ,wegzulachen'."

Auch Chapeau Claque versucht alles, um seinem Publikum einen fröhlichen und sicheren Theaternachmittag zu garantieren: "Das Ertl-Zentrum ist optimal. Wir werden, so oft es die Temperaturen zulassen, im direkt angebundenen quasi ,aerosolfreien' Parkhaus spielen. Da haben wir auch schon eine Zuschauerüberdachung vor Ort", scherzt Heidi Lehnert. Wird es zu kalt, zieht man in einen ehemaligen Laden im Ertl-Zentrum um, wo auch das TiG im Herbst schon gespielt hat. Ein Riesenraum, in dem die großen und die nicht mehr ganz so kleinen Zuschauer mit viel Abstand Platz nehmen können.

Proben mit FFP2-Masken

Und die Schauspieler ? Die proben seit sechs Wochen mit FFP2-Masken. Wie geht man damit um, die Mimik des Spielpartners nicht zu sehen? "Zuerst war es schon etwas seltsam", sagt Schauspielerin Anna-Prisca Burwitz, "aber man bemüht sich, das Beste draus zu machen und sucht nach anderen Ausdrucksformen". Zu den Endproben durften zum ersten Mal "die Masken fallen" - natürlich nur mit vorherigem Schnelltest.

Eike Ochs, die als "Pöbelmän" dabei ist und bei Chapeau Claque auch die Theaterpädagogik leitet, freut sich, wenn endlich wieder auch Schulvorstellungen erlaubt sind. "Mit unseren mobilen Stücken kommen wir sogar direkt zu den Schulen, auch in den Pausenhof ." red