Das nasse Wetter schreckt die jungen Leute nicht ab. Boxen mit Pappschildern wandern unter das Zelt der Religionen am Markusplatz, damit sie nicht durchweichen. Eine Mitstreiterin bringt dutzende angespitzte Kanthölzer per Lastenrad vorbei. Gemeinsam soll daraus ein Schilderwald mit Forderungen entstehen. Mit Abstand und Maske machen sich die Schülerinnen daran, sich für ihr Mobi-Video in den sozialen Medien aufzustellen. Denn gut fünf Jahre nach der Unterzeichnung des Pariser Klimaschutzabkommens durch 195 Staaten passiert noch immer zu wenig, wenn es nach der Ortsgruppe von Fridays for Future in Bamberg geht.

Neue Eiszeit droht

"Aktuell bewegen wir uns auf einem Pfad, der eine Erwärmung um 4 Grad bis ins Jahr 2100 bedeutet", spricht Marie Dresen in die Kamera. Dies sei sehr gravierend, wenn man bedenke, dass umgekehrt eine Abkühlung um 5 Grad eine neue Eiszeit bedeuten würde. "Wir streiten weiter dafür, dass Deutschland seinen gerechten Beitrag dazu leistet." Ihre Mitstreiterin Jule Prell betont, dass man die Corona-Pandemie nicht von der Klimakrise trennen könne. Corona sei nur eine Vorwarnung angesichts der Klima-Problematik. Und für die Klimaaktivistin Lotta Fröhlich ist klar: "Eine enkeltaugliche Zukunft kann es nur mit der Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels geben." Das bedeute auf der einen Seite strukturelle Veränderungen, die Nutzung neuer Technologien, aber auch umweltfreundlichere Konsumgewohnheiten. So stehen die Klimakämpferinnen hinter der Forderung eines Kohleausstiegs und 100 Prozent erneuerbarer Energienutzung bis ins Jahr 2030. Bis ins Jahr 2035 wollen sie die Netto-Null an Treibhausgasemissionen in der Bundesrepublik erreichen. Das würde bedeuten, dass nur noch die Menge an Gasen ausgestoßen wird, welche die Natur von sich aus wieder aufnehmen kann.

Plakate gesammelt

Diese und viele weitere Forderungen sowie Slogans sind dann auf Papp- und Holzplatten gelandet. Über mehrere Wochen hatten sie zum Sammeln von Plakaten aufgerufen. Satte 80 Stück sind es geworden. "Einige davon stammen aus dem Online-Malkurs der Montessori-Grundschule in Bamberg ", erzählt Fröhlich. Beim Festbinden der Schilder und Einschlagen der Holzpflöcke entlang des Markusplatzes ist spürbar, dass die jungen Menschen sich über ihre erste öffentliche Aktion seit Monaten sehr freuen.

Bis Mitte nächster Woche werden die Botschaften wie "Kleiner Mensch, ich kann nicht mehr für dich sorgen - die Weltkugel spricht zu einem Kleinkind " oder "Das N in Kapitalismus steht für Naturschutz " in Wind und Schneegestöber ausharren und trotz der Pandemie standhaft für den Klimaschutz bleiben. So wie ihre Verfasser das bereits seit mehr als zwei Jahren sind.