„Zwei mal drei macht vier, widdewiddewitt, und drei macht neune. Ich mach’ mir die Welt, widdewidde, wie sie mir gefällt.“ Das Lied von Pippi Langstrumpf kennt man auch im Memmelsdorfer Ratsgremium. Doch hätte dort wohl kaum eine Gemeinderätin oder ein Gemeinderat jemals daran geglaubt, dass ihr oder ihm derartige Rechenkünste tatsächlich einmal in einer Ratssitzung vorgetragen würden. Nun ist es aber passiert in der ersten Ratssitzung des neuen Jahres.

Der Bauwerber eines auf Holzmodulbauweise spezialisierten Unternehmens war allerdings nach dem Vortrag solcher Rechenkünste entwaffnend ehrlich. Man habe wohl gepokert, merkte er an.

In der Sache ging es darum, dass in einer Planung, die dem Ratsgremium schon vor geraumer Zeit für sieben Bauparzellen vorgestellt wurde, bei der neuerlichen Vorstellung flugs drei Häuser mit 18 Wohneinheiten zu identifizieren waren. Das Ratsgremium wähnte sich im falschen Zug unterwegs und fasste nach.

Der Vertreter der Firma setzte ein Pokerface auf und der bekannt ruhig und besonnen agierende Wirtschaftsschuldirektor in Ruhe, Martin Mattausch (VWG-Memmelsdorf), zeigte sich von Rechenkunststücken dieser Art nicht amüsiert. Er wünschte sich, der Bauwerber möge erst einmal seine Hausaufgaben machen, ehe er wieder vorspreche.

Es geht wieder aufwärts

Davor hatte die Touristikerin Bianca Müller mit ganz reellen und soliden Zahlen aufgewartet, als sie darlegte, dass der Tourismusverband „Fränkische Toskana“ mit seiner Schlossbauperle Seehof auch nicht von der Covid-19-Krise verschont blieb, weshalb die Gästezahlen 2021 massiv eingebrochen seien. Aber, so Müller, es gehe schon wieder aufwärts und das vereinbarte Budget werde man auch 2022 wieder einhalten können.

Energiefragen

Dass Memmelsdorf das Potenzial habe, die Energiewende aus eigener Kraft zu leisten, konnte Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Nordbayern mit dem Nachdruck von Zahlen und Fakten darlegen. Die Rätinnen und Räte, die den Experten gerne ein weiteres Mal oder gar weitere Male für Informationsveranstaltungen gewinnen möchten, hörten es mit klingenden Ohren. Ein bisschen geriet man sich dann aber doch in die Haare, als die schon 2021 in Aussicht genommenen Flächen entlang der Bundesautobahn 70 , die sich für Verkehrswege begleitende Photovoltaikfreiflächen empfehlen würden, neuerlich diskutiert wurden.

Die ABD-Fraktion hatte dazu den Antrag gestellt, man möge wegen zu kurzer Distanzen zur Wohnbebauung die Flächen im Nordosten von Drosendorf aus der vorläufigen Planung herausnehmen. Diese Bedenken sind wohl nicht von der Hand zu weisen und auch nicht die zu den Folgen von Starkregenereignissen rund um die Vorrangflächen. Aber ein bisschen könnte auch die von der Liste Grünes Memmelsdorf vermutete Salamitaktik mitgespielt haben. Also erst großzügig Flächen festlegen und dann scheibchenweise die Rentabilität wegschneiden. So wird das dann freilich nichts mit der selbstbestimmten kommunalen Energiewende für die Familiengemeinde.

Abschließend ging es darum, die Anträge der einzelnen Fraktionen zum Haushaltsansatz 2022 abzuarbeiten. Das erwies sich einmal mehr als Marathon- und Hürdenlauf in einem, weshalb man sich zu später Stunde vertagen musste.