Oberbürgermeister Andreas Starke staunte nicht schlecht, als sich bei großer Hitze knapp 20 unermüdliche Radlerinnen und Radler zur „ Bamberg on tour“ einfanden: „Ich habe mit viel weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmern gerechnet.“ Der Schweiß floss auch nicht umsonst. Alle bekamen einen Einblick in die Entwicklung des ÖPNV in Bamberg mit vielen Hintergrundinformationen. Am Endpunkt der Tour, in der Werkstatt des Busdepots in der Georgenstraße, wollte gar ein echtes Schätzchen entdeckt werden. Ein Oldtimer-Bus mit Bamberger Vergangenheit wird dort mit viel Liebe zum Detail hergerichtet, um bald wieder auf die Straße zu rollen.

Vor den ersten Fahrradmeilen ging Gerhard Beck vom Amt für Bürgerbeteiligung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auf das erste illustre Bamberger ÖPNV-Kapitel, die Straßenbahn , ein. Auf drei Linien verkehrten die 15 blau-gelben Straßenbahnwagen aus MAN-Produktion und meisterten sogar, angetrieben von der „Central-Kraftstation“ in der Georgenstraße, den Kaulberg. Kurz vor dem 25. Jubiläum, anno 1922, war allerdings Schluss. „Die Bahn war nie wirklich rentabel. Als während und nach dem Ersten Weltkrieg das Geld knapp wurde, zogen es außerdem die meisten Bambergerinnen und Bamberger vor, die Wegstrecken zu Fuß zurückzulegen“, erzählte Beck laut einer Presemitteilung. Allein die Halterungsrosetten an Hausfassaden, etwa am Maxplatz, Ecke Hauptwachstraße, erinnerten heute noch an das Straßenbahn-Kapitel.

Videoüberwachung im Radhaus

Wie eine moderne Verkehrsdrehscheibe funktioniert, zeigte stolz der Leiter des Verkehrsbetriebs, Peter Scheuenstuhl, am Beispiel Radhaus in der Brennerstraße. „Hier stehen 364 vollautomatisierte, videoüberwachte Fahrradstellplätze bereit. Dazu gibt es Platz für Lastenräder, Stellplätze für Park-and-Ride und Carsharing mit direkter Bus- und Bahnanbindung.“ Auf Pendler zielt auch die Park-and-Ride-Anlage an der Kronacher Straße, der nächsten Station von „ Bamberg on tour“. Dank gutem Service – das Einstellen von Fahrzeugen in Kombination mit der Fahrt mit dem Bus in die Innenstadt ist kostenlos – erfreut sie sich steigender Nachfrage. Die zehn Ladesäulen, gespeist von der Photovoltaikanlage auf dem Dach, werden auf den neusten Stand gebracht, versprach Scheuenstuhl. Einen Einblick in die Zukunft des ÖPNV gab er im Busdepot in der Georgenstraße: „Die Stadtwerke stellen vom E-Scooter bis zum Bus verschiedene Verkehrsmittel bereit. Mit Hilfe einer Mobilitätsapp können dann alle festlegen, wie sie am besten von A nach B kommen.“ Die Zukunft klopft auch schon vernehmlich an die Tür des Busbetriebs. Scheuenstuhl stellte bereits für Juli die ersten sechs rein elektrobetriebenen Busse in Aussicht – Vorboten der neuen Busgeneration, die nach und nach die Dieselbusse ersetzen werden.

Rückblick in die Vergangenheit

Die „ Bamberg on tour“ endete mit einem Rückblick in die mobile Vergangenheit, die auf Bambergs Straßen bald recht anschaulich wird. In der Werkstatt wird ein Oldtimerbus fit für den Verkehr gemacht. „Der Magirus Deutz Saturn II war von 1963 bis 1977 auf der Linie Bamberg-Gaustadt eingesetzt“, erzählte Harald Wessely, Verkehrsmeister bei den Stadtwerken und Vorsitzender des Vereins „Historischer Stadtverkehr Bamberg “, der sich um die originalgetreue Restaurierung des Busses kümmert.

Begeistert vom Oldtimerbus und der gesamten „ Bamberg on tour“ zeigte sich Renate Langheinrich aus Bamberg : „Das war alles sehr interessant. Ich bin eigentlich keine Stadtbus-Fahrerin, will mir aber bald ein Neun-Euro-Ticket besorgen und dann des Öfteren mit dem Bus unterwegs sein.“

Die nächste „ Bamberg on tour“ findet am Samstag, 11. September statt. red