Seit Anfang des Jahres wird in Walsdorf intensiv über die Ansiedlung einer Anlage des Speiseresteverwerters Refood gegenüber der Tierkörperbeseitigungsanlage in Hetzentännig diskutiert. Eine Bürgerinitiative mit Anwohnerin Katja Besold an der Spitze wendet sich gegen die Pläne des von Geschäftsführer Dr. Marten Keil vertretenen Unternehmens . Ehe die Walsdorferinnen und Walsdorfer am Sonntag, 26. September, in einem Bürgerentscheid selbst über das Projekt entscheiden dürfen, haben wir beide Seiten noch einmal zu einem finalen Interview gebeten.

Was ist Ihnen bei der ganzen Diskussion um die Ansiedlung von Refood in Walsdorf zu kurz gekommen?

Katja Besold: Zu kurz gekommen sind Informationen zu Auswirkungen über den Jahresverbrauch von mindestens 16 Millionen Litern Wasser in einem niederschlagsarmen Gebiet auf Grundwasserspiegel, Fauna und Flora und die Bevölkerung . Die Information, dass in Limbach das bestehende und weitaus größere, bisher gepachtete Betriebsgrundstück zum Verkauf angeboten wurde, – die Infrastruktur ist dort wesentlich besser, die Genehmigung für eine Erweiterung liegt vor –, wurde verschwiegen. Zu kurz kam die Info, dass der Mutterkonzern an über zehn Refood-Standorten an Tierkörperbeseitigungsanlagen beteiligt ist. Die Auswirkungen bei so einer Konstellation in Walsdorf hätten in jedem Bereich noch weitaus größere Beeinträchtigungen zur Folge als das derzeit Geplante.

Dr. Marten Keil: Eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema! Durch die gezielte Verbreitung von Unwahrheiten wurden bewusst Ängste geschürt und Fakten ignoriert. Nehmen Sie zum Beispiel das Thema Gewerbesteuer: Obwohl die Bürgermeister von Eltmann und Walsdorf auf der Grundlage ihrer Erfahrungen bzw. von vorgelegten Nachweisen Refood als verlässlichen Steuerzahler beschrieben haben, wurde dieser Punkt immer wieder geleugnet. Noch gravierender war es beim Thema Nachhaltigkeit. Zu versuchen einem Unternehmen wie Refood, das die Speisereste einsammelt, die wir alle zum Beispiel in Restaurants, Schulen oder Altenheimen hinterlassen, und hieraus erneuerbare Energie erzeugt, die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells abzusprechen, finde ich respektlos.

Was haben die Walsdorferinnen und Walsdorfer davon, wenn dieser Betrieb gegenüber der Tierkörperbeseitigungsanlage entsteht?

Keil: Die Gemeinde erhält einen Vorzeigebetrieb, der nach dem neuesten Stand der Technik errichtet sein, die gesetzlichen Vorgaben erfüllen und in vielen Punkten sogar übertreffen wird. Mit der Ansiedlung verbessern sich nachhaltig die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde mit der Folge, endlich wichtige Projekte für die Bürgerinnen und Bürger umsetzen zu können. Aber auch einzelne werden direkt profitieren, da das Unternehmen Arbeitsplätze schaffen und viele Dienstleistungen vor Ort nachfragen wird. So werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Beispiel gerne mal einen Kuchen oder ein Leberkäsbrötchen essen wollen.

Und was bringt es ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern, wenn er nicht kommt?

Besold: Die Gemeinde kann für heimische und mittelständische Betriebe Gewerbeflächen schaffen und so attraktive Arbeitsplätze in verschiedenen Bereichen anbieten. Das bringt Gewerbesteuern von mehreren, sicheren Betrieben, anstatt dass sich Walsorf von einem Abfall-Großkonzern abhängig macht. So bleibt auch der Vorteil erhalten, für Neuansiedlungen mit Lebensqualität und Naherholungsangeboten zu werben. Für die Erschließung eines Gewerbegebietes gibt es im Übrigen Förderprogramme. Und es bliebe endlich wieder Zeit, in der Gemeinde andere wichtige Themen anzupacken.

Egal welches Ergebnis am 26. September herauskommt: Was nehmen Sie aus der ganzen Debatte mit?

Besold: Wie notwendig es ist, sich auch als Bürger intensiv mit größeren Vorhaben zu befassen. Gerade solche, die in die Zukunft der Gemeinde hineinwirken und gravierende Folgen, ja Beeinträchtigungen für das eigene Lebensumfeld und die eigene Lebensqualität haben. Aus dem Umgang Refoods mit dem Ablehnungsentscheid der Stadt Bamberg , dessen Abwasser in die Bamberger Kläranlage einleiten zu lassen, habe ich gelernt, wie rücksichtslos der Konzern vorzugehen gedenkt. Ein Vorgeschmack, wie mit uns in Walsdorf umgegangen werden würde. Fazit: Man kann und darf sich nicht auf das verlassen, was ein Großkonzern den Gemeindevertretern verkaufen will.

Keil: Ich nehme mit, dass viele Bürgerinnen und Bürger verstanden haben, dass der Nachhaltigkeitsgedanke nicht am eigenen Gartenzaun aufhören und das Eigeninteresse nicht über dem Gemeinwohl stehen darf. Es besteht Einigkeit, dass wir Lösungen für den Klimawandel benötigen, etwa durch den Ausbau erneuerbarer Energien. Ich habe auch Verständnis, dass für die Anwohner in Hetzentännig, die die Bürgerbewegung initiiert haben, es sicherlich schöner ist, ohne einen Refood-Betrieb auf die umliegenden Äcker und Wälder zu schauen. Aber um etwas positiv zu verändern, dürfen sich Politik und Gesellschaft nicht an den Interessen Einzelner orientieren, sondern muss das Gemeinwohl im Blick haben.

Die Fragen stellte Michael Memmel