Es geht nicht darum, Kunstwerke oder ein schönes Bild zu schaffen: „Vielmehr geht es um den seelischen Prozess, der beim Malen angeregt wird, und um die Möglichkeit, sich durch das Gestalten mit sich selbst auseinanderzusetzen“, erklärt Dr. med Susanne Daiber. Als Vorstandsmitglied der Alzheimer Gesellschaft Bamberg hat die Chefärztin der geriatrischen Rehabilitation am Klinikum Bamberg dieses neue Projekt für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ins Leben gerufen: nämlich Kunsttherapie im vertrauten Zuhause.

„Kunst kann unterstützen, stärken, aktivieren“, fasst Daiber die positiven Ressourcen zusammen, über die gerade auch Menschen mit Demenz verfügen. Und deren Angehörige, die vielfach durch die Betreuung ihres dementen Lieben belastet seien, könnten im kreativen Malen „Verlust, Loslassen, Trauer, Wut , Ärger, Frustration artikulieren“, ergänzt Kimberly Banschbach.

Sie ist die ausgebildete Kunsttherapeutin, die die an dem Projekt Teilnehmenden in der herausfordernden Lebensphase begleitet. Banschbach, die in der Frankenalb-Klinik des Bezirks-Klinikums Mittelfranken arbeitet, kommt mit einem mobilen Materialkoffer nach Hause. Und zwar jeweils montags für 60 Minuten, sechs Wochen lang hintereinander.

„Es muss nichts erreicht werden, in der Kunsttherapie kann man sich auch unterhalten, einfach zuhören und sich vorsichtig herantasten“, erläutert Kimberly Banschbach die Vorgehensweise. Denn jeder Mensch sei individuell und müsse dort abgeholt werden, wo er steht. Und „wie die Tagesform ist“. Aus Erfahrung wisse sie, so die Kunsttherapeutin, wie beglückend es für Menschen mit Demenz sein könne, beim Malen zu erleben: „Ich kann doch noch etwas!“ Das bewirke Entspannung und Spannungsabbau und schenke neue Möglichkeiten der Kommunikation und des Ausdrucks.

Diese Kunsttherapie richtet sich an Menschen in Stadt und Landkreis Bamberg mit leichter bis mittelgradiger Demenz . Voraussetzung an der Teilnahme sei lediglich die Bereitschaft, sich darauf einzulassen, sagt Dr. Susanne Daiber. Es seien keine Vorkenntnisse oder künstlerisches Können erforderlich. Die Ärztin plant sogar eine kleine Ausstellung der Bilder, die entstehen werden: passend zum Alzheimer-Tag am 21. September.