Kurz vor dem Palmsonntag herrscht an der Bushaltestelle Juliushof 2 in Sassanfahrt reges Treiben. Kinder sind neugierig herbeigeströmt, um dieses ungewohnte Bild in Augenschein zu nehmen. Eine kleine graue Bank hat sich unter der Überdachung zur großen für Fahrgäste gesellt. Weidenkätzchen, geschmückt mit bunten Bändern, zieren das Bänkchen. Darauf ein Kasten mit weiteren "Palmzweigen" zum Mitnehmen und darüber eine Zeichnung "Ein König auf einem Esel" mit einem kurzen Text. Von einem "König unserer Herzen" ist darin die Rede.

Das gefällt der neunjährigen Hannah besonders. Wird sie doch gerade auf die Erstkommunion vorbereitet und hat schon viel von Jesus, dem großen Kinderfreund, gehört. "Ich denk schon, dass ich den Weg zusammen mit meinem Bruder Max gehen werde", bekundet das Mädchen ihre Absicht, in der Karwoche und an den Osterfeiertagen mehr zu erfahren vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Jesu .

"Die Kinder sollen von unserem österlichen Stationenweg Hoffnung mitnehmen", erklärt Constanze Wulf, die als vielfach ehrenamtlich in der Pfarrgemeinde Engagierte die Idee zu diesem Erlebnis hatte. Gemeinsam mit weiteren katholischen und evangelischen Familien hat die vierfache Mutter im Gemeindeteil Juliushof neun Stationen installiert. Ab Karfreitag gibt es in der Sassanfahrter St.-Mauritius-Kapelle eine zehnte Station, ab Ostersonntag in der Pfarrkirche die Stationen elf und zwölf.

Sinn von Ostern vermitteln

Aufmerksam hören ihr Justus (9), Mats (8) und Frieda (6) zu. Auch ihre Mamas lassen es sich nicht nehmen, vorbeizuschauen. Ihnen ist es wichtig, dass an Ostern nicht nur der Osterhase zu den Kindern kommt. Und dass die Jüngsten wie Erwachsene den Sinngehalt der österlichen Tage vermittelt bekommen. "Die Bilder und Texte der einzelnen Stationen regen zum Anschauen und Nachdenken an", hofft Constanze Wulf. So werde etwa bei der Station, die Jesus im Garten Gethsemane gewidmet ist, gefragt, wovor "man selbst Angst hat". Das solle mit einem Stift auf einen Stein geschrieben werden. Ein Stein, der in der Dunkelheit leuchte und gegen die Angst mitgenommen werden könne.

"Die Stationen sind auch mit unserem Lebensweg verbunden", macht Constanze Wulf zum Beispiel auf die Station zum Letzten Abendmahl aufmerksam. Auch Familien sollten sich zum Essen gemeinsam versammeln. Und "Liebe teilen", fügt sie hinzu. Die letzte Station gehört den Emmausjüngern, deren Traurigkeit langsam schwindet, als sie ihren plötzlichen Weggefährten erkennen: "Jesus nahe sein!" bleibt aus dem Text hängen.

An jeder Station gibt es etwas zum Mitnehmen: "Vielleicht für einen Ostergarten aus Naturmaterialien", regt Constanze Wulf an. Auch Flyer liegen aus, auf denen die Wegstrecke genau eingezeichnet ist. Die Ehrenamtliche freut sich über die farbigen Bilder von Christel Holl aus dem RPA-Verlag. Und darüber, dass der Stationenweg bis zum Sonntag, 11. April, aufgebaut bleiben kann.

"Bitte haltet beim Abgehen die aktuellen Corona-Bestimmungen ein!", bittet sie noch.