Bei dem Finale auf dem Domberg gab es nur einen Wermutstropfen. Dass nämlich die versammelte Gemeinde coronabedingt nicht das „Großer Gott, wir loben dich“ mitschmettern durfte. Sonst war alles wie gewohnt: Erzbischof Ludwig Schick stimmte das „Te Deum“ an, die Männerkantorei des Domchores setzte ein, die Orgel brauste, volles Glockengeläut, Weihrauch in der Luft. Fast alles wie jedes Jahr an Fronleichnam, dem Hochfest des Leibes und Blutes Christi . Ein unglaublicher Schatz im Kirchenjahr, in dem die Nähe und Liebe Jesu Christi geradezu sinnlich erfahrbar ist.

So war es auch heuer, obwohl die traditionelle Prozession durch die Innenstadt der Pandemie zum Opfer fiel. Obwohl das Allerheiligste in der Monstranz nicht den Zug durch die Straßen nahm: „Unser Herr verlässt uns niemals! Er versorgt uns mit allem Lebensnotwendigen!“ versicherte der Erzbischof . Und als symbolisches Zeichen dafür, dass Jesus auch in Bamberg beheimatet ist, zog er mit dem liturgischen Dienst nach der Eucharistiefeier durch das Fürstenportal hinaus auf den Domkranz, um von dort der ganzen Stadt den sakramentalen Segen zu spenden.

Die kleine Prozession begann schon im Dom selbst. Auf dem Stationenweg sprach Weihbischof Herwig Gössl die Gebete, Diakon Georg Paszek verkündete das Evangelium. In allen Texten verbanden sich der ineinandergefügte Sinngehalt von Gründonnerstag und Fronleichnam, Abendmahl und Fußwaschung: Ohne den aufrichtigen Dienst am Nächsten bleibt die Eucharistie nur eine Seite der Medaille. Wohlformulierte Dankesworte für die vielen Helfer in der Pandemie sowie Fürbitten für Menschen in ihren Nöten hierzulande und in den Entwicklungsländern ließen an diesem Fronleichnamsfest die zweite Medaillenseite aufscheinen.

„Es entspricht seinem Wesen, dass Jesus Christus mitten in unserem Leben sein will“, hatte Erzbischof Schick in seiner Predigt gesagt. So wie Brot die Nahrung im Alltag sei, wolle Jesus Christ Grundnahrungsmittel für die Seele sein: „Er speist uns mit Mut, Vertrauen, Hoffnung, Sinn und Orientierung.“ Da Jesus Christus zu allen Menschen kommen möchte, sei klar, dass Fronleichnam nicht – wie häufig gesagt – ein antiprotestantisches Fest sei. Es könne vielmehr auch als ökumenisches Fest verstanden und gefeiert werden: „Es ist ein Fest, das nicht nur die Christenheit verbindet, sondern die ganze Menschheit“, so Schick. Denn Jesus Christus sei die „Leitfigur, die zu Liebe, Einheit und Friede verbindet“.

Aufgrund der Hygienevorschriften war das Platzangebot im Dom begrenzt. So wurde der Gottesdienst auf eine Leinwand nach draußen übertragen, wo für 150 Gläubige Stühle aufgestellt waren. Außerdem konnte das fromme Geschehen via Livestream mitgefeiert werden.