"Ich komme aus dem Dienstleistungsbereich und lege Wert darauf, dass die Bürger keinen Nachteil erleiden." Klaus Homann meint damit die derzeit geltenden Einschränkungen und Vorgaben, die auch in den Gemeindeverwaltungen zum Tragen kommen. "Wenn jetzt jemand einen Personalausweise möchte, kann ich ihm doch nicht sagen, er soll in vier Wochen wieder kommen", verdeutlicht er an einem Beispiel. So findet im Hirschaider Rathaus weiterhin Publikumsverkehr statt, "aber nur mit Termin", betont der Chef der größten Landkreis-Kommune, bei dessen Verwaltung sich die Besucherfrequenz um geschätzte 30 Prozent reduziert hat.

Weil Besuche ganz oft erfolgen, damit sich Bürger mit dem Gelben Sack eindecken können, hat Hirschaid dafür gesorgt, dass man deswegen nur noch zum Rathaus kommen, aber nicht hineingehen muss: Die Säcke sind draußen zum Selbstabholen deponiert.

Freilich sollen am Verwaltungssitz etliche weitere Maßnahmen der Verbreitung des Virus entgegenwirken: Dazu zählt, dass ein Teil der Verwaltung räumlich in ein gegenüberliegendes Gebäude verlagert wurde. In den Rathaus-Zimmern arbeitet somit immer nur ein Teil der Belegschaft. Es gibt auch Teams, die einander nicht begegnen - "vor allem im Bauhof und natürlich in den Kindergärten".

Vor allem die Führungskräfte sind mit Laptops ausgestattet, so dass sie auch im Homeoffice tätig sein können. Maskenpflicht im ganzen Haus ist ebenso selbstverständlich wie eine Vielzahl von Desinfektionsspendern. Und für den Fall, dass sich das Gemeindeoberhaupt infiziert, würde der gleiche Plan greifen wie im Urlaubsfall - eine Vertretung durch die beiden Stellvertreter. Wobei Homann betont, dass er vermutlich auch da immer digital präsent sein könne.

Wie sieht der Corona-Modus in anderen Rathäusern im Landkreis Bamberg aus? In Oberhaid kann man ein Lied davon singen, wenn fast die halbe Belegschaft durch das Virus ausgebremst wurde - beim ersten Lockdown im vergangenen Jahr ist genau das passiert. Von elf Rathausmitarbeitern waren sechs betroffen, darunter Bürgermeister Carsten Joneitis ( SPD ).

Da er einen relativ milden Verlauf hatte, begab er sich im heimischen Keller in Quarantäne - um seine Familie nicht anzustecken. Bis auf eine Mitarbeiterin mit einem heftigen Verlauf arbeiteten alle Infizierten die rund zweieinhalb Wochen damals von daheim aus. Verständlich, dass bei der zweiten Welle alles an Sicherheitsvorkehrungen getan wird, was möglich ist: strenges Achten auf Hygiene- und Abstandsregeln sowie Parteiverkehr nur mit Termin. Teilweise werden Unterschriften am Fenster erledigt: "Denn viele Bürger wollen auch gar nicht ins Rathaus", stellt Joneitis fest. Der Publikumsverkehr, so schätzt er, sei um rund 50 Prozent zurückgegangen.

Im gleichen Maß, glaubt das Scheßlit­zer Stadtoberhaupt Roland Kauper ( CSU ), hat sich die Besucher-Frequenz in seinem Rathaus reduziert. Davon, so meint er, habe sich sich dann 40 Prozent auf telefonischen Kontakt verlagert. Ansonsten kommt man auch hier nur nach vorheriger Anmeldung und mit Termin ins Rathaus. "Aber es muss schon wirklich wichtig sein", unterstreicht Kauper die Vorgabe. So würde verstärkt die Möglichkeit genutzt, Formulare von der Homepage herunterzuladen. Was wohl daran liege, weil sie vor kurzem "schöner und übersichtlicher" ist.

Bürgermeister positiv getestet

Von etwa 80 Prozent Besucherrückgang spricht in Zapfendorf die Zweite Bürgermeisterin Sabine Köhlerschmidt ( CSU ). Sie leitet die Amtsgeschäfte, nachdem Gemeindeoberhaupt Michael Senger (WG Sassendorf) vergangene Woche positiv auf das Virus getestet worden war und sich seitdem in häuslicher Quarantäne befindet. Man halte zwar direkten Kontakt, bestätigt sie, gönne ihm derzeit aber auch die nötige Ruhe. Sofort nach Sengers Ergebnis wurde auch die gesamte Belegschaft getestet: alle negativ.

Anfang dieser Woche machten dann diejenigen einen weiteren Test, die direkten Kontakt mit Senger hatten. Auch deren Tests waren erneut negativ. Im Rathaus sitzt in jedem Büro nur eine Person. Das ist möglich, weil zeitversetzt gearbeitet wird. Sie selbst, so Köhlerschmidt, komme nur zu unaufschiebbaren Vorgängen (etwa Bewerbungsgespräche, Verabschiedungen und Beurkundungen), das Gleiche rät sie den Bürgern; ebenso wie ihrem Ehemann, der eigentlich einen Personalausweis bräuchte. Hier gelte in Corona-Zeiten bei Kontrollen wohl eine höhere Toleranz, macht sie deutlich. Die meisten Bürger hätten zudem sowohl Pass als auch Ausweis , wovon der jeweils andere oft noch gültig sei.

Annähernd gleich viele Personalausweise wie vor der zweiten Corona-Welle werden im Burgebracher Rathaus ausgestellt, berichtet Burgebrachs Bürgermeister Johannes Maciejonczyk ( CSU ).

Selbstverständlich kommt man auch hier nur mit Termin ins Rathaus. Es werde aber sehr viel digital erledigt, zeigt sich der Bürgermeister zufrieden und verweist auf die Spezialisten in der Verwaltung. Baupläne können digital besprochen, Videokonferenzen mit Bürgern gehalten werden. Ein großer Teil der Verwaltung könne ins Homeoffice, so dass die Büros nur mit jeweils einer Person besetzt sind - auch weil man ins Bürgerhaus auslagern konnte. Mit dieser Woche gebe es für die Mitarbeiter die Möglichkeit, zweimal wöchentlich einen Test (Spucktest) zu machen, zusätzlich zu den anderen "hochgefahrenen Sicherheitsvorkehrungen". Die Aufgaben des Bürgerbüros wurden auf mehrere Zimmer verteilt, so kommen die einzelnen Bereiche im Rathaus nur beim Austausch von Post mit einander in Kontakt. Im Haus darf jeder nur mit FFP2-Maske unterwegs sein.

Bauamt ausgelagert

Wie in allen befragten Gemeindeverwaltungen ist das auch in Hallstadt der Fall, bestätigt Bürgermeister Thomas Söder ( CSU ). Er zeigt sich zufrieden mit der früher erfolgten Entscheidung, das Bauamt ins gegenüberliegende Bürgerhaus auszulagern, was eine Entlastung im Rathaus bedeute. Denn in dem denkmalgeschützten Haus gibt es ansonsten keine räumlichen Ausweichmöglichkeiten. Für die Bürger sieht er nur wenig Leistungseinschränkungen. Vielleicht ja auch, weil der meistgefragte Service - der gelbe Sack - außerhalb der Verwaltungsräume geboten werde.