Wenn der Job zur Zitterpartie wird: Infolge der Corona-Pandemie tragen auch Beschäftigte , die in der Stadt und im Landkreis Bamberg einen befristeten Arbeitsvertrag haben, ein besonders hohes Risiko, ihre Stelle zu verlieren. Davor warnt die IG Bau in einer Pressemitteilung.

Im vergangenen Jahr hatten demnach 29 Prozent aller Neueinstellungen im Landkreis ein Verfallsdatum. Von rund 1700 Arbeitsverträgen , die im zweiten Quartal neu abgeschlossen wurden, waren etwa 500 befristet, so die Gewerkschaft unter Verweis auf eine aktuelle Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Zum Vergleich die Zahlen in der Stadt: Hier waren sogar 45 Prozent der Neueinstellungen mit einem befristeten Vertrag ausgestattet. Damit liegt Bamberg den Angaben zufolge über dem bundesweiten Befristungsanteil von durchschnittlich 39 Prozent. Von rund 2700 Arbeitsverträgen , die im zweiten Quartal in der Stadt neu abgeschlossen wurden, waren etwa 1200 befristet.

Jüngere besonders betroffen

„Die Zahlen zeigen, dass auf dem heimischen Arbeitsmarkt etwas aus dem Ruder gelaufen ist. In der Corona-Krise können Befristungen für die Betroffenen leicht zur Falle werden, wenn Unternehmen solche Stellen nicht mehr verlängern“, so Gerald Nicklas, Bezirksvorsitzender der IG Bau Oberfranken.

Nach Beobachtung des Gewerkschafters sind befristete Stellen in Branchen wie der Gebäudereinigung und der Landwirtschaft stark verbreitet. Junge Beschäftigte seien besonders häufig betroffen. „Wer als Berufseinsteiger eine Wohnung finden oder einen Kredit aufnehmen will, der hat mit einem befristeten Vertrag schlechte Karten. Wegen der Unsicherheit muss manchmal sogar der Wunsch nach eigenen Kindern vertagt werden“, kritisiert Nicklas.

Die IG Bau fordert die Bundesregierung dazu auf, ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag umzusetzen und Befristungen ohne einen sogenannten Sachgrund einzudämmen. Als Sachgründe gelten etwa eine Schwangerschaftsvertretung oder eine Probezeit . Ein aktueller Gesetzentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sieht vor, dass sachgrundlose Befristungen künftig nur maximal 18 anstatt bisher 24 Monate andauern und in diesem Zeitraum nur noch einmal statt wie bisher dreimal verlängert werden dürfen. In Betrieben mit mehr als 75 Beschäftigten sollen solche Verträge auf max. 2,5 Prozent der Belegschaft begrenzt werden. red