Bevor man sich die Lektüre des aktuellen Buches von Monika Gruber vornimmt, ist es von Vorteil, ihre Biografie zur Kenntnis zu nehmen. Nur so, nämlich in Kenntnis ihrer bodenständigen Sozialisation, lassen sich manche ihrer Standpunkte oder Polemiken verstehen.

Auf einem Bauernhof geht es nun mal etwas derber zu als im urbanen Milieu. Da gibt es keinen Raum für hypersensibles Herumgetue oder übertriebene Rücksichtnahme auf allerlei Empfindlichkeiten. Schon der Titel ihres neuen, bei Piper erschienenen Essaybandes ist heftig: "Und erlöse uns von den Blöden" (240 Seiten, 20 Euro) wird da gebarmt, und der Untertitel "Vom Menschenverstand in hysterischen Zeiten" deutet an, dass es vor allem auch um Corona geht.

Sieben Beiträge aus eigener Feder, sechs von dem freien Journalisten Andreas Hock sowie drei gemeinsame durchstreifen die Befindlichkeiten urbaner Menschenbiotope und kommen zu teils recht heftigen Schlussfolgerungen.

Dabei schreibt Monika Gruber meist so, wie man sie auch von ihren Bühnenauftritten her kennt: direkt, metapherngesättigt und scharfzüngig gegenüber den Personifikationen von modischen Attitüden jeglicher Art. Wenn sie aber als altbacken verschriene Tugenden preist, so kommt sie einem fast vor wie eine Konservative. Man lese nur das Kapitel "Aber bitte mit Charme!", in dem sie eine Ode auf Charmeure wie Frank Elstner , Harry Valerien und sogar Florian Silbereisen singt.

Aber wer sind eigentlich die "Blöden"? Es sind, wie schon im Untertitel angedeutet, die Verursacher der "hysterischen Zeiten", die kleine oder eingebildete Problemchen zu wahren Tragödien auftürmen oder ihre jeweilige Mini-Community für den Nabel der Welt halten. Dazu gehört für Monika Gruber nicht zuletzt die Sprachgenderei, für die " jede noch so abstruse Unterform einer sexuellen Guerillatruppe" existenzberechtigt und daher auflistungspflichtig ist, selbst wenn sie im Promillebereich liegt.

Die Alice Schwarzer fürs Grobe

Auch auf anderen heiklen Gebieten erweist sie sich als shit­stormresistent, zum Beispiel wenn es um Migrationsfolgen geht, um Kopftuch und Verschleierung oder andere Segnungen des Islam. In dieser Hinsicht ist sie quasi die Alice Schwarzer fürs Grobe.

Man darf dieses Büchlein allen kritik- und ironiefähigen Menschen empfehlen, nicht zuletzt auch wegen der deutlichen Worte, die Andreas Hock in seinen Beiträgen zu Corona, zur Influenzerei oder zu anderen zeitgeistigen Phänomenen beisteuert.