Mit „ Gundelsheim geht gemeinsam“ hat sich das vormals landwirtschaftlich orientierte Dorf im Nordosten Bambergs längst ein Motto für sein soziales Miteinander in der Gegenwart und Zukunft gegeben. Und der Gast aber auch die Bürger in dieser Wohngemeinde im Bamberger Speckgürtel sehen sich da natürlich um, wie weit es vor Ort im realen Leben mit dem Motto her ist. Ideal ist für eine kleine Exkursion immer ein Wochenende, weil sich da zeigt, ob die kommunalen Gehsteige hochgeklappt sind und sich die Bürger in ihren Häusern eingeigelt haben und die Nachbarn allenfalls beim Kirchgang oder beim Plausch über den Zaun treffen.

Am Wochenende konnte Gundelsheim einmal mehr zeigen, dass es in der Hinsicht „soziale Stadt“ erfreulich anders ist. Da war nämlich anlässlich des „Tages der Städtebauförderung“ trotz der diversen Corona-Schutzauflagen jede Menge Leben entlang der Ufer am Leitenbach zu beobachten. Die Bürger waren am Samstag zuerst eingeladen, sich im Bürger-Gast-Haus an der Hauptstraße umzusehen und am Sonntag in der Gemeindebücherei, die seit Ende vergangenen Jahres schräg gegenüber vom alten Rathaus ein schönes neues Zuhause gefunden hat.

Für alle Generationen

Beide Ensembles im historischen Kern der bereits im zwölften Jahrhundert belegten Ansiedlung am Leitenbach wurden oder werden mit Fördermitteln aus dem Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm unterstützt. Gundelsheim ist in diesem Programm als Modellvorhaben „Generationenübergreifende Stadtentwicklung “ ausgewiesen. Und tatsächlich waren Jung und Alt an diesem ganzen Wochenende beseelt und heiter auf den Beinen rund um die Projekte Bürger-Gast-Haus und Bücherei .

Auf dem langgestreckten Areal an der Hauptstraße neben dem historischen Rathaus entsteht nach den Planungen des Architekturbüros Muck Petzet ein Ensemble, das alten Baubestand und neues Bauen im Bestand atmosphärisch dicht und spannend zusammenbringt. Vorbildlich zeigt sich in dieser Maßnahme die Wertschätzung einer Gemeinde für ihr historisches Gesicht, aber auch für ihre nachhaltige Zukunftsorientierung. Denn die Planer des Quartiers an der Hauptstraße haben bei allen Planungen immer die vielfältigen Lebensäußerungen und Aktivitäten in einer Gemeinde im Auge behalten, die den sozialen Kitt in allen menschlichen Beziehungen ausmachen, denen aber auch Raum zur Entfaltung gegeben werden muss. Also auch in einem Dorf.

Möglichst viele oder am besten alle mit ihren Bedürfnissen mitnehmen, das bedeutet im realen Gemeindeleben von Gundelsheim in der Tat „ Gundelsheim geht gemeinsam“. Einhundert Besichtigungen wurden dann am Samstag auch in einem ausgeklügelten Führungssystem auf dem Areal und in den Gebäuden des zukünftigen Bürger-Gast-Hauses am Bürger-Park mit Hilfe zahlreicher Ehrenamtlicher organisiert.

Wo die Musik bald wieder spielen wird

Und alle Teilnehmer konnten sehen, wo nach Corona bald wieder die Musik spielen kann. Nämlich über dem vormaligen Schlecker-Markt in der Gemeinde-Loggia hoch über dem Leitenbach. Denn die architektonische Idee der Planer ist so einfach und klar wie bezwingend attraktiv. Auf das statisch gesicherte Flachdach des ehemaligen Ladenlokals setzten die Architekten einen „Tanzsaal“, ein Bürger-Gast-Haus der Extraklasse darauf. Der offene Raum stößt bis unter den Dachfirst hoch und bietet sich wie ein überdachter Stadtbalkon für Feierlichkeiten aller Art und zu jeder Jahreszeit an.

Zu Füßen des aufgestockten Bestands wird im August ein Bürgerbiergarten eröffnet und in der Verlängerung des vormaligen Ladenlokals schließen sich die ebenfalls erhaltenen Wohngebäude aus den 1960er Jahren an, die vorbildlich fürs kommunale Wohnen ertüchtigt wurden. Den Abschluss des Quartiers, das entlang einer Süd-Nord-Achse von der Hauptstraße bis zur Meisenstraße reicht, bildet die historische Scheune des ehemals bäuerlichen Anwesens. Und auch sie wird bald schon für größere Veranstaltungen zur Verfügung stehen.

Die Besucher zeigten sich am Samstag auf der Baustelle beeindruckt von dem, was da schon alles geleistet wurde. Und der eine oder andere auswärtige Gast mochte vielleicht sogar still gezweifelt haben, ob das Werk bis September vollendet sein wird. Da sei aber nochmals an das Motto der Gemeinde erinnert. In Abwandlung könnte es in Gundelsheim auch lauten: Gemeinsam schaffen wir das.