Die Augen der Eltern fixieren den Ausgang der Hainschule. Gleich endet der erste Präsenz-Schultag seit Mitte Dezember. "Mein Sohn hat sich unheimlich gefreut , dass er wieder in die Schule darf. Endlich kann er seine Freunde wiedersehen", erzählt eine wartende Mutter. "Die Entscheidung, die Grundschulen und Kitas wieder zu öffnen, war notwendig. Der Schulalltag gibt ihnen und auch uns als Familie eine wichtige Struktur im Alltag."

Die Schulöffnung wirkt wie ein kleiner Schritt Richtung ersehnte Normalität. Doch angesichts permanent neuer Mutationen und der viel diskutierten dritten Welle bleiben einige Eltern skeptisch. "Wegen dem aktuellen Infektionsgeschehen habe ich ehrlich gesagt gemischte Gefühle ", erzählt eine andere Mutter. "Mein Sohn hat sich gefreut , wieder in die Schule zu können. Gleichzeitig hatte er Angst davor, den ganzen Tag über eine Maske tragen zu müssen."

Infektionsgefahr im Klassenzimmer

Sorge bereitet der Mutter, dass sich der Schüler mit 15 anderen Kindern mehrere Stunden in einem Raum aufhält. "Natürlich sind die Klassen hier sehr klein, aber im ersten Lockdown zum Beispiel waren sie trotzdem geteilt. Und ich kann auch nicht einschätzen, wie streng sich andere Eltern an die Vorgaben halten."

Auch Matthias Dietzel spürt "das Damoklesschwert" des Virus über sich. Er ist Vater von Zwillingen, die beide in die Hainschule gehen. "Man muss das Ganze aber differenziert betrachten. Es ist eine offene Entscheidung, die an strikte Vorgaben und den Inzidenzwert gekoppelt ist. Dadurch kann sie jederzeit zurückgenommen werden", erklärt er. Ob es die richtige Entscheidung war, die Schulen zu öffnen, werde sich erst rückblickend zeigen. Wichtig sei aber, dass eine Entscheidung getroffen wurde. "Meine Kinder haben sich darüber gefreut wie Bolle", erzählt er. "Sie haben endlich wieder ein soziales Leben. Es ist wichtig, dass sie zurück in die Schule können, sei es auch nur für kurze Zeit."

Präsenz von der Schule abhängig

"Es gilt grundsätzlich Wechselunterricht", erklärt Schulamtsdirektor Thomas Kohl. Die Schulen in Stadt und Landkreis haben aber unterschiedliche Voraussetzungen, was Klassen- und Raumgröße sowie die Personalsituation betrifft. So entscheidet jede Schule vor Ort selbst, ob das vorgegebene Verhältnis von Raum- zu Klassengröße einen kompletten Präsenzunterricht erlaubt oder ob die Lehrkräfte Wechselunterricht abhalten müssen.

"Bei uns ist Präsenzunterricht mit Abstand möglich", sagt Alexandra Kappauf, Schulleiterin der Grund- und Mittelschule Bischberg. Größere Klassen werden in der Turnhalle und im Bürgersaal unterrichtet. "Am Freitag hat der Bauhof den Raum bestuhlt und mit der notwendigen Technik ausgestattet. Ohne die Hilfe der Gemeinde würde es nicht gehen", sagt Kappauf.

Denn die Schulen erhielten das Konzept zur geplanten Öffnung erst vergangenen Donnerstag vom Kultusministerium, daher hatten sich Kappauf und ihr Team auf alle möglichen Szenarien vorbereitet. "Ob Präsenz-, Wechsel- oder doch Digitalunterricht. Wir haben für alle Eventualitäten Pläne ausgearbeitet. Dabei war der ständige Kontakt zu den Eltern und Schülern besonders wichtig. Das war eine mordsmäßige Arbeit, aber so gab es zum Start keine Überraschungen", sagt sie.

Dementsprechend ruhig lief der erste Schultag ab. "Jedes Kind wusste, wo es langlaufen soll und in welches Klassenzimmer es muss", sagt Kappauf. Das Hygienekonzept war den Schülern bereits aus dem November vertraut: Hände desinfizieren , Einbahnstraßen-Regelung, versetzte Pausenzeiten und -orte, Maskenpflicht und regelmäßiges Lüften.

Dafür erhielten Grundschulen aus Stadt- und Landkreis CO2- Ampeln, sagt Matthias Pfeufer, Bildungsreferent der Stadt Bamberg . Die Messgeräte schlagen Alarm, wenn die CO2-Konzentration im Raum einen kritischen Wert erreicht und gelüftet werden muss.

7-Tage-Inzidenzwert in Bamberg steigt

Die Schüler der Hainschule kommen nach vier Stunden Unterricht nur zögerlich aus dem Gebäude. Eine Mutter ruft ihren Sohn , doch statt zu hören, büxt er mit seinem Freund aus. Vermutlich will er so viel Zeit mit dem Klassenkameraden verbringen wie möglich. Denn ein Blick auf den 7-Tage-Inzidenzwert der Stadt Bamberg zeigt, mit dem Präsenzunterricht könnte bald wieder Schluss sein. Der Wert liegt bei 82,7. Knackt er die 100er Marke, müssen die Schulen zurück in den Distanzunterricht. Eine immense Organisationsleistung für Schulen wie Eltern .