Mit einem Neubau für Arbeitstherapieräume verbessert beziehungsweise schafft man die räumlichen Voraussetzungen, um auf die jeweilige Leistungsfähigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner angepasste Arbeitstherapieprojekte anzubieten.

Heimleiter Gerhard Steidl informierte über das Haus Fischbachtal sowie über das neue Gebäude, das mit einer Investitionssumme von 567 000 Euro verwirklicht wurde.

Das bisher genutzte Gebäude war durch Holzwurmbefall im Dachgebälk und eine insgesamt sehr schlechte Bausubstanz nicht mehr instandzusetzen. Ursprünglich sollte nur „schnell“ ein Ersatzneubau möglichst kostengünstig realisiert werden, da das alte Bestandsgebäude nur ein alter Schuppen war.

Bereits die ersten Grobplanungen durch das Architekturbüro 3D Detsch Kronach machten aber deutlich, dass selbst unter Zugrundelegung von einfachen Mindeststandards und bei Einhaltung der einschlägigen Bauvorschriften mit Kosten von circa 567 000 Euro zu rechnen sei. Damit war klar, dass dies ohne Zuschussgeber und Spenden nicht zu realisieren wäre. Es wurde deshalb eine Reihe von möglichen Unterstützern angefragt und erfreulicherweise gab es auch Zusagen. Als größte Unterstützer nannte Steidl die Aktion Mensch mit 150 000 Euro, die Oberfrankenstiftung mit einer Spende von 113 400 Euro, die Bayerische Landesstiftung beteiligte sich mit 68 000 Euro, die Adalbert-Raps-Stiftung , Kulmbach, gab 30 000 Euro, die Dr.-Robert-Pfleger-Stiftung, Bamberg, spendete 20 000 Euro und der Landkreis Kronach unterstützt die Maßnahme mit 20 000 Euro.

Der Bezirk Oberfranken als überörtlicher Sozialhilfeträger ist für diese Einrichtung der Eingliederungshilfe dem Grunde nach für die Investitionen zuständig und hat die Restfinanzierung über den Pflegesatz zugesagt. Die Bauphase selbst wurde in die therapeutische Idee der Einrichtung, möglichst viel an eigener Leistung mit einzubringen, eingebunden. So wurden von Bewohnern und Arbeitsanleitern über 5500 Arbeitsstunden geleistet. Während die schweren Gewerke (Fundament, Rohbau, Installationen) von Fachfirmen durchgeführt wurden, konnten viele Arbeiten beim Ausbau des Gebäudes im Rahmen der Arbeitstherapie unter Anleitung der Arbeitstherapeuten (überwiegend Handwerksmeister) ausgeführt werden.

Selbstwert gestärkt

Eine besonders augenfällige Leistung ist die Holzverkleidung der Fassade, die vollständig von der Schreinerwerkstatt der Einrichtung durchgeführt wurde. Mit solchem Einsatz wird der Subsidiaritätsgedanke der katholischen Soziallehre praktisch umgesetzt und das, was selbst leistbar ist, auch selbst gemacht. Dies stärkt den Selbstwert der Bewohner und führt dazu, dass mit dem Gebäude pfleglich umgegangen wird.

Eine gute Lösung nennt der Heimleiter die Verortung der Büros der Arbeitsanleiter im direkten Umgriff der beiden Arbeitsräume. Es habe sich gezeigt, dass unkomplizierte Rückfragen den Bewohnerinnen und Bewohnern eine große Sicherheit für ihre Tätigkeiten geben.

Die Nähe zu den Arbeitsanleitern und das aufgebaute Vertrauen („Ich kann fragen, ohne schräg angeschaut zu werden.“) ermögliche es, „Erfolge mit den Bewohnern zu produzieren“. Dies führe zur Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins, das für die Bewältigung der Suchterkrankung wesentlich sei.

Behindertengerechte Toilette

Für die von der Suchthilfeinrichtung des Deutschen Ordens betriebene Minigolfanlage sind der neue Verkaufsraum und die behindertengerechte Toilette ein Gewinn. Die Minigolfanlage ermögliche es, „die Gesellschaft in die Suchthilfeeinrichtung zu holen“ und Inklusion unkompliziert erlebbar zu machen. „Der Stolz unserer BewohnerInnen darauf, ein leistungsbereiter und gebrauchter, anerkannter und gewünschter Teil unserer Gesellschaft zu sein, erweist sich als das beste Therapeutikum“, so Heimleiter Steidl.

Er dankte allen, die zur Verwirklichung dieses Projektes beigetragen haben, welches ohne die großzügigen Zuschussgeber und Unterstützer nicht möglich gewesen wäre.

Auch auf die bauausführenden Firmen konnte man sich stets verlassen. Ein besonderer Dank gilt dem Architekturbüro 3D Architekten und Ingenieure Detsch, Kronach, das stets umsichtig und genau unseren Bedürfnissen entsprechend plante und die Bauausführung hervorragend begleitete.

Die Zusammenarbeit der Bewohner und der Mitarbeiter schuf ein gelungenes Gemeinschaftswerk, auf das alle stolz sein können. Alle Beteiligten haben gelernt, dass sich engagierter Einsatz lohnt und zu einem guten Ganzen führt. Eine Einweihungsfeier soll im Sommer stattfinden.

In Trägerschaft des Deutschen Ordens

Das Haus Fischbachtal ist eine im Juni 1995 eröffnete soziotherapeutische Langzeiteinrichtung für chronisch alkohol- und medikamentenabhängige Frauen und Männer in Trägerschaft des Deutschen Ordens.

Es bietet 32 Plätze im Stammhaus in Tauschendorf im Fischbachtal und zwölf weitere Plätze in Außenwohngruppen sowie die Möglichkeit des betreuten Gruppen- und Einzelwohnens in der Stadt Kronach . In dieser Einrichtung wird im Rahmen einer therapeutischen Gemeinschaft die Möglichkeit geboten, wieder zu mehr eigener Verantwortung für das Leben und zur Bewältigung von Problemen zu finden.

In allen Bereichen wird auf Selbstverantwortung hoher Wert gelegt.