Auch wenn der evangelisch-lutherische Dekan Hans-Martin Lechner und die Präsidentin der Dekanatssynode, Uta von Plettenberg, aktiv am Festtag der Bamberger Bistumspatronin Kunigunde mitwirkten, gab es für die Ökumene gewisse Herausforderungen: dichte Weihrauchwolken, die Häupterreliquien des heiligen Kaiserpaares Heinrich II. und Kunigunde im blumengeschmückten Schaukasten. Ein gemeinsames Abendmahl? Fehlanzeige! Und doch war die Teilnahme der beiden evangelischen Geschwister ein deutliches Zeichen der Verbundenheit mit der katholischen Kirche und mit Kunigunde, der Heiligen der damals noch ungeteilten Christenheit.

"Schauen wir immer wieder neu mit Kunigunde auf Jesus Christus ! In bewusster Nähe zu ihm werden sich Trost und Zuversicht zum Heil und Wohl aller Menschen potenzieren. Gerade jetzt in der Krise ist es umso wichtiger, als große Kirchen zusammenzuhalten", rief Dekan Lechner am Schluss des Festgottesdienstes im Dom der versammelten Gemeinde zu. Es waren überwiegend Frauen, die das Pontifikalamt mit Erzbischof Ludwig Schick feierten. Ist doch der traditionelle Kunigunden-Tag das Diözesanfrauenfest schlechthin. Und das selbst im Corona-Modus.

Durch Livestream verbunden

Denn die Hygienevorschriften erlaubten keine großen Menschenansammlungen, keine bischöfliche Gratulation der "Kunigunden" zum Namenstag und kein Nachmittagsprogramm. Und doch war es dem ökumenischen "Team Kunigunde" gelungen, durch ihre schriftliche und filmische Vorbereitung des Festtages fast 700 Frauen an die heimischen Bildschirme zu locken: Die Messe wurde per Livestream übertragen.

Die Zuschauer verfolgten mit, wie Erzbischof Schick die Gelegenheit nutzte, "allen Frauen für ihr Mitwirken und ihren Einsatz in der Kirche und in den Familien, in den Pfarreien und Verbänden, in vielen Ehrenämtern, in der Gesellschaft von Herzen Vergelt's Gott, Anerkennung und Dank auszusprechen". Schick nannte die heilige Kunigunde ein Vorbild, die "ein Herz hatte für die Notleidenden, die Besorgten, die Ängstlichen, die Kranken, die Toten und für die, die um sie trauerten und klagten". Der Erzbischof rief zu einer "Kultur des Lebens" auf, zu der jeder gerade in der Corona-Krise etwas beitragen müsse. Eine solche Kultur entstehe aus Liebe, die die Feindesliebe einschließe.

Das Motto des Kunigunden-Tages 2021 "Geht und seht nach" fordere dazu auf: "Achtsamkeit aufeinander, Einhaltung der AHA-Regeln, Nachbarschaftshilfe, Trösten und Ermuntern kann jeder einbringen." Die heilige Kunigunde habe immer das Naheliegende und nicht das Fernliegende getan. Das sei eine Gefahr im Leben eines jeden Menschen.

Kunigunde im Schatten der Corona-Opfer

Erzbischof Schick widmete seine Predigt größtenteils dem "Tag der Corona-Opfer", der nach einer Vereinbarung der Europäischen Bischofskonferenz in den einzelnen Ländern an einem bestimmten Tag im Februar oder März begangen werden soll. In Bamberg fiel dieser Gedenktag mit dem Kunigundenfest zusammen: "Die heilige Kunigunde würde es uns sicher übel nehmen, wenn wir diesem Auftrag in ihrer Festfeier nicht entsprechen würden", meinte Schick. Er habe diesen Auftrag nun doch zu ernst genommen, bedauerten Gottesdienstbesucherinnen im Nachgang.

"Der Erzbischof hätte versuchen sollen, etwas brennender zu formulieren in Zeiten, in denen das Thema Frauen in der Kirche so virulent ist", sagte Claudia Dworazik, Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB).

Auch dürfe es am Frauentag nicht passieren, dass beim Verkündigen des Evangeliums ausschließlich die "Brüder" genannt werden. Die Rückbindung der Tagesbotschaft an Kunigunde sei jedoch "gut gelungen", so Dworazik. Gelungen war auch die musikalische Gestaltung des Festgottesdienstes durch eine Mädchenschola und eine Kantorin. Die Kollekte des Kunigunden-Tages kommt dem Bamberger "Josefslädchen" der Caritas zugute.