Der Kreisverband des Bayerischen Bauernverband (BBV) Bamberg hatte zum Stallgespräch auf den Bauernhof der Familie Deinlein nach Neudorf bei Scheßlitz eingeladen – einer von rund 70 Betrieben mit Zuchtschweinen im Landkreis Bamberg.

Bauern mit Mastschweinen gab es im vergangenen Jahr in der Region 386, die Gesamtzahl der Mastschweine betrug 10 693. In Bayern sank die Zahl der schweinehaltenden Betriebe innerhalb der letzten zehn Jahre um 45 Prozent auf 4200 Betriebe, die Zahl der gehaltenen Schweine um 18 Prozent, so dass im letzten Jahr 2,9 Millionen Schweine in den Ställen lebten. Die Ferkelpreise liegen seit über einem Jahr gleich niedrig und selbst im Fünfjahresvergleich unterhalb des Kontrollbeginns.

Die Deinleins haben wegen der gefallenen Preise ihren Bestand von 350 Muttersauen auf 200 reduziert. „Schon daran kann man sehen“, so Jörg Deinlein, „wie schlecht es den Schweinezüchtern geht. Es ist ein Jammer, was auf uns zukommt!“

Geradezu erbost waren die weiteren BBV-Vertreter, Kreisbäuerin Anneliese Göller und Kreisobmann Edgar Böhmer, über einen Kommentar in den Medien, in dem über Massentierhaltung, Kastration bei Schweinen ohne Betäubung und Vollpumpen der Tiere mit Antibiotika und Antidepressiva geschrieben wurde und zu noch mehr Verboten aufgerufen wurde. Dagmar Deinlein dazu: „Wir kastrieren schon lange Zeit alle unsere Tiere nur unter Vollnarkose mit einem Gerät, das einige Tausend Euro gekostet hat. Mein Mann und mein Sohn haben dafür auch einen Extrakurs absolviert. In der Öffentlichkeit wird aber so ein völlig falsches Bild der Schweinezüchter dargestellt. “

Besser regional kaufen

Die Bauern fordern die Verbraucher auf, regional zu kaufen, denn da wüssten sie, wo und wie ihr Fleisch erzeugt wird. Durch die kurzen Transportwege werde den Tieren außerdem viel Stress erspart.

BBV-Geschäftsführer Werner Nützel fordert von der Politik bessere Rahmenbedingungen. Wenn die Platzanforderungen von 1,2 auf fünf Quadratmeter erhöht werden, die Fensterflächen vergrößert werden müssen und weitere Auflagen folgten, dann müsse das vom Einzelhandel auch finanziell honoriert werden. Juniorchef Fabian Deinlein fordert: „Fleisch darf kein Ramsch-Produkt und kein Lockmittel in die Läden der großen Verkaufsketten sein auf Kosten der Bauern. Wir sind bereit, für das Tierwohl mehr zu tun, aber wir müssen auch leben können und nicht am Rande des Bankrotts stehen.“

Noch freuen sich Dagmar und Jörg Deinlein, einen Nachfolger zu haben. Sie tun alles dafür, dass ihr landwirtschaftlicher Betrieb weitergeht. Deshalb haben sie auch als zusätzliches Standbein an den Wochenenden ein Café eröffnet und einen Selbstbedienungsladen eingerichtet. Beides wurde bisher gut angenommen, betonen sie, erfordere aber auch zusätzliche finanzielle Mittel und Kraft und Arbeitszeit.

„Wir fordern mehr Freiheit im Handeln, mehr Verlässlichkeit von der Politik und faire Preise vom Einzelhandel“, war der eindeutige Tenor der Gesprächsrunde.