Der Atem stockt, Tränen sind nahe. So eindringlich liest Martin Neubauer das Markus-Evangelium vom Leiden und Sterben Jesu , dass beim Hören die Qualen, der Schmerz, die Verlassenheit greifbar werden. Karfreitag wird zum spirituellen Erleben. Und bricht sich nach der "unheimlichen Stille wie in einer Totenkammer" an Karsamstag Bahn im jubelnden Halleluja der Orgel an Ostern : "Ein Tanz setzt ein - von Angst befreit - Der Herr ist wahrhaft auferstanden!"

Kirchenmusikdirektorin Ingrid Kasper und Martin Neubauer, Prinzipal des Brentano-Theaters, legen einen musikalisch-literarischen Passionskalender vor, der zu Herzen geht. Der tröstet in diesen stillen, belasteten Zeiten. Die künstlerische Qualität ist mit ( evangelischer ) Theologie verknüpft, die geheimnisvolle Abgründe nicht ausspart.

 

Jede Passionswoche eine Höreinheit

Für jede Passionswoche, beginnend mit dem Sonntag Invocavit, 21. Februar, gibt es eine Höreinheit: einen geistlichen Impuls mit Wort und Musik, mit Gesang, Violinen- und Orgelklängen, mit nachdenklichen Geschichten, Gedichten und Texten aus dem Neuen Testament. Von Gründonnerstag bis Ostermontag ist täglich eine Sequenz zu hören.

Die letzte um die Emmausjünger trifft mit ihrem gesungenen Wunsch noch einmal mehr den Nerv: "Herr, bleibe bei uns ..." - in diesen harten Zeiten und darüber hinaus.

Ingrid Kasper zieht nicht nur alle Register der Mühleisenorgel in der St.-Stephanskirche, sondern bereichert auch mit ihrem glockenhellen Sopran den Gesang. Carolin, Claudia und Nicola Götschel bilden den stimmlich überzeugenden Frauenchor. Rosalie Jahnel spielt gemütvoll die Violine. Und Martin Neubauer rezitiert eindrucksvoll Literaten wie Leo Tolstoi , Clemens Brentano , Rainer Maria Rilke oder Oscar Wilde , aber auch Friedrich von Spee und natürlich Martin Luther . Texte mit allesamt existenziellem Inhalt. Denn es geht in der Passionszeit " ja wahrhaft um Leben und Tod", wie Martin Neubauer empfindet.

Das Titelbild der Doppel-CD wurde von Sieglinde Spindler-Thiele gestaltet, die Ton-Aufnahmen lagen in der Hand von Hanno Thiele. Herausgeber ist der Kirchenmusik-Förderverein St. Stephan, der 2020 auch den "musikalisch-literarischen Adventskalender" mit den beiden Hauptprotagonisten erscheinen ließ.

Der musikalisch-literarische Passionskalender kann ab Aschermittwoch gegen eine Spende in der Stephanskirche abgeholt werden. Bei Spenden auf das Konto des Fördervereins können auch Spendenbescheinigungen ausgestellt werden: IBAN DE 41 7705 0000 0300 3463 50. Mit den eingehenden Geldern werden der Bau einer Chororgel und das Brentano-Theater unterstützt.