Marion Krüger-Hundrup

Eigentlich hatte Erzbischof Ludwig Schick vor einigen Tagen die Steilvorlage für das traditionelle Kunigundenfest, den Diözesanfrauentag zu Ehren der Bistumspatronin, geliefert: „Ich setze mich dafür ein, dass die Frauen in der Kirche eine große, gleichberechtigte Rolle haben“, hatte er in einer Fernsehsendung gesagt und zum Beispiel die Weihe von Frauen zu Diakoninnen nicht ausgeschlossen. Es wäre also zu erwarten gewesen, dass der Festgottesdienst am Samstag im vollbesetzten Dom erneut unter diesen programmatischen Vorzeichen stehen würde.

Zwar erklärte der Erzbischof , dass „ Jesus Christus eine geschwisterliche Kirche von Frauen und Männern will“. Und dass „noch längst nicht alles erfüllt ist, was Frauen in der Kirche tun sollten und können“. Doch Schick ging nicht näher darauf ein, was er damit alles meinte. Zumindest dankte er besonders den ehrenamtlichen Frauen für ihren Einsatz.

Auch Claudia Dworazik aus dem Diözesanvorstand des Katholischen Deutschen Frauenbundes ( KDFB ) ging in ihrer Begrüßung der Gottesdienstbesucherinnen nicht auf die „Steilvorlage“ ein. Sie beschränkte sich darauf, dem Erzbischof dafür Anerkennung ausdrücken, dass „er sich für mehr Frauen in Leitungspositionen der Kirche“ ausspreche. Da Schick dies seit gefühlt zehn Jahren bei jedem Kunigundentag und anderen Gelegenheiten tut und somit nichts Neues verkündet, war dieser Dank der Frauenbundsvertreterin mehr als zurückhaltend. Immerhin präsentierte sich Claudia Dworazik mit einem weißen Schal, dem Symbol der kirchlichen Frauenbewegungen „Maria 2.0“ und „Maria schweige nicht“.

Unter dem Eindruck des Krieges

Damit war der Frauenfrage in der katholischen Kirche auch Genüge getan an diesem Kunigundenfest. Es stand vielmehr unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine, so dass Gebete und Fürbitten um Frieden und den Geist der Versöhnung im Fokus standen.

Auch in seiner Predigt ging Erzbischof Schick auf die notleidenden Menschen in der Ukraine ein und zeigte sich berührt von der „großen Hilfsbereitschaft in Bamberg und überall im Erzbistum“ für sie. Er bat um ein „offenes Herz für die Flüchtlinge, die zu uns kommen, sie sollen nicht Fremde sein, sie gehören zu uns“, betonte Schick.

Er nannte die heilige Kaiserin Kunigunde ein Vorbild in Sachen Friedensstiftung: „Sie war eine Frau des Friedens, während ihr Mann Kaiser Heinrich Krieg auch gegen ihre eigenen Brüder führte, worunter sie sehr gelitten hat“. Kunigunde habe gewusst, dass die Friedens- und Versöhnungsbotschaft Jesu Frieden bringe und Krieg verhindere, so der Erzbischof .

Zum dritten Mal war der Kunigundentag von katholischen und evangelischen Frauen vorbereitet worden. So wirkten auch Uta von Plettenberg, Präsidentin der evangelischen Dekanatssynode Bamberg , als Lektorin und Dekan Hans Martin Lechner in ökumenischer Verbundenheit mit. „Wir sind auf einem guten gemeinsamen Weg!“, sagte der Dekan in seinem Grußwort. Gerade in Zeiten vieler Krisen – auch der Krise in der Kirche – sei es wichtig, dass „wir mit unseren unterschiedlichen Prägungen und unterschiedlichen Kirchentümern füreinander einstehen, einander voller Liebe und Solidarität tragen, ganz im Geiste des Evangeliums von Jesus Christus “. Das „spürbar wertschätzende Miteinander“ sei gerade jetzt „ein starkes Zeichen der Hoffnung und der Zuversicht“, fügte Lechner hinzu.

Das Motto des ökumenischen Frauenfestes lautete in Anlehnung an den alttestamentlichen Lobgesang einer Frau: „Hanna betete: Meine Macht ist erhört durch Gott“. Unter diesem Titel stand der nachmittägliche Online-Festvortrag von Katrin Brockmöller, Direktorin des Katholischen Bibelwerks.