Marion Krüger-Hundrup

– Hellseherische Fähigkeiten sind wohl niemandem gegeben. Auch einem geweihten Priester nicht, und sei es, dass er Sonne oder Regen voraussagen soll. Er verlässt sich vielmehr auf die Meteorologen und die Wetter-App. Und auf sein Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen, die ihn beraten.

So war es am vergangenen Freitag geschehen, als Pfarrer Matthias Bambynek als Letztverantwortlicher den von langer Hand geplanten Open-Air-Gottesdienst auf dem Maxplatz zum Muttergottesfest der Oberen Pfarre absagte. Tatsächlich regnete es Sonntagfrüh gegen sechs Uhr, als fleißige Helfer eigentlich mit dem Aufbau von Freiluftaltar und Sitzbänken hätten beginnen sollen. Dann blieb es trotz grauer Wolken trocken.

Die Verlegung des Gottesdienstes vom Maxplatz in die Obere Pfarre tat der Feierfreude einer großen Gemeinde mit Bamberger Feuerwehrleuten nach ihrem Einsatz im Hochwassergebiet Ahrtal, Muttergottesträgern, Oberbürgermeister Andreas Starke , Bürgermeister Wolfgang Metzner , Stadträten aber keinen Abbruch. Zumal der ungewohnte Anblick einer einzigartigen Begegnung versöhnte – auch wenn diese einen Traditionsbruch bedeutete: Zum ersten Mal in einer über 400-jährigen Geschichte war die Pietà aus der St.-Martins-Kirche in die Obere Pfarre gebracht worden und stand dem Gnadenbild des Liebfrauenmünsters zur Seite. Sonst zieht die „freudenreiche Muttergottes“ zur „schmerzenreichen“, was allgemein als ein Höhepunkt der „Großen Marienprozession“ empfunden wird.

Heuer war es also umgekehrt. Und ob es im nächsten Jahr mit der Corona-Pandemie vorbei ist und die Prozession samt vertrauter Gegenüberstellung der Marienfiguren stattfinden kann, wagte im Festgottesdienst niemand zu prognostizieren. So blieben die Blicke hängen an dem beinahe fremd anmutenden Bild vor dem Chorraum. Pfarrer Bambynek wertete es in seiner Predigt allerdings als ein gutes Bild, wie „wir alle mehr denn je auf der Suche nach guten Bildern sind, Sehnsucht nach harmonischen Bildern haben“.

Nämlich in einer Zeit, die bedrückende Bilder von Krisen, Folgen der Pandemie und Katastrophen bereithalte. Solche Bilder „hinterlassen Spuren in uns, verändern auch das Bild unserer Gesamtgesellschaft, die gestresst ist und nur noch das Wort ‚ICH‘ kennt“, sagte der Pfarrer .

Er schlug den Bogen zu Jesu Mutter Maria. Sie habe als „aufrecht stehende, souveräne, gelassene Frau erkannt, dass Gott durch sie und für sie das Heil will“. Diese Zusage Gottes an alle Menschen, dass er grundsätzlich ihr Heil wolle, könne „das Bild unseres Miteinanders so verändern, dass wir ein besseres Bild abgeben“, so Pfarrer Bambynek.

Kollekte für Flutkastrophe

Für die musikalischen Klangfarben auf diesem Bild sorgte ein Bläserensemble unter der Leitung von Klaus Weiner und Organist Andreas Brunner. Auch praktizierte Nächstenliebe zeichnete Konturen: Reich gefüllt waren die Körbchen der Kollekte, die der Caritas in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz für ihre unkomplizierte Hilfe zugunsten der Hochwassergeschädigten überwiesen wird.