Am Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ beteiligt sich Reckendorf mit der Ausstellung „ Händler , Helden, Frauenrechtlerinnen – Reckendorf und seine jüdische Bevölkerung“. Mit einem Vortrag von Prof. Andreas Dornheim ( Universität Bamberg ) wurde die Ausstellung in der alten Synagoge nun eröffnet.

Zahlreiche Tafeln, die im Haus der Kultur, der ehemaligen Synagoge in Reckendorf , aufgestellt sind, dokumentieren anhand von einzelnen Biografien, wie die jüdische Bevölkerung einst in Reckendorf lebte, welche Rolle sie spielte. Dabei ist, im Vergleich zur 1700-jährigen Geschichte der Juden in Deutschland, an die aktuell erinnert wird, die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Reckendorf vergleichsweise jung: Etwa seit dem Jahr 1500 lebten hier jüdische Familien, 1835 waren es bis zu 100 Personen. Viele blieben, einige wanderten zum Höhepunkt der Emigrationswelle in die Vereinigten Staaten von Amerika aus.

So etwa Isaias Wolf Hellman, 1842 in Reckendorf geboren. Er kam 1859 in Los Angeles an, gründete in den USA drei wichtige Banken, investierte in Infrastruktur, etwa in die Pacific Electric Railway und war ein großer Landbesitzer. Unter den in Reckendorf lebenden Juden fanden sich viele Händler , häufig Viehhändler, teilweise gab es regelrechte Metzgerei-Dynastien wie die Familie Schmidt/Schmitt.

Solche Details brachte Prof. Dornheim in seinem Vortrag unter. Nicht unerwähnt ließ er, dass es auch mehrere Kriegshelden unter den Reckendorfer Juden gab, ausgezeichnet im Ersten Weltkrieg. Wenige Jahre später, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten aber, kam es auch in Reckendorf zu Ausschreitungen . „Der NS-Mob zwang (…), die Inneneinrichtung der Synagoge zu zerstören. Das war ein übliches Vorgehen der Nationalsozialisten , ihre Gegner zu demütigen“, so Dornheim. Nach 1945 gab es Wiedergutmachungsverfahren, die ehemalige Synagoge wurde zur Fabrik , ging später an den Eigentümer der Schlossbrauerei und im Jahr 2001 an die Gemeinde.

Lange Alltag

Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung von Dave Bailey mit drei Stücken auf der Klarinette. „Die Juden waren in Reckendorf lange Alltag“, so Bürgermeister Manfred Deinlein in seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung. „Sie wurden damals wertgeschätzt. Und wir wissen: Wer den anderen kennt, lernt ihn auch zu schätzen. Oft haben wir Angst vor dem Fremden, vor dem Nicht-Alltäglichen.“ In Reckendorf dagegen, so Deinlein sinngemäß, sei das Zusammenleben mehrerer Kulturen nie etwas Ungewöhnliches gewesen.

Die Ausstellung ist zurzeit an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Außerhalb dieser Zeiten können unter der E-Mail-Adresse heimatpfleger@reckendorf.de Termine zur Besichtigung vereinbart werden.