Auf den Tag genau nach 100 Jahren feierten die Melkendorfer die Grundsteinlegung ihrer Kapelle St. Josef mit einem feierlichen Gottesdienst . Nach dem Ersten Weltkrieg hatten heimkehrende Soldaten 1919 zusammen mit weiteren Gemeindemitgliedern einen Kapellenbauverein gegründet, 1921 wurde dann der Grundstein gelegt. Pfarrer i.R. Georg Lohneiß zelebrierte auf dem Kirchenvorplatz einen Gottesdienst , zu dem viele Melkendorfer gekommen waren.

Erinnerung an 1921

Stefan Dorscht verlas, was das damalige Volksblatt darüber berichtete: „ Melkendorf zählte zu dieser Zeit 315 Seelen. Vor der Brauerei Winkler nahm der Festzug Aufstellung. Voran schritt die Musikkapelle . Dann folgten der Kriegerverein mit Fahne, die Schulkinder, hierauf drei Mädchen, die auf seidenen Kissen Kelle, Hammer und Meißel trugen. Der Festzug bewegte sich durch die Hauptstraße zum Ortseingang, wo Litzendorfs Hochwürdiger Herr Pfarrer Richard Schindelmann erwartet wurde (…).

An der Stelle, wo der künftige Hochaltar zu stehen kommen soll, war ein sehr hübsch geschmückter Feldaltar errichtet. Die Liedertafel Melkendorf leitete mit circa 50 Sängerinnen und Sängern die Feier ein mit der Hymne „Leih aus deines Himmels Höhen“. Als die letzten Akkorde verklungen waren, wurde das am Feldaltar aufgerichtete Holzkreuz geweiht. Nun wurde die Weihe des Grundsteines vorgenommen, der vom Pfarrherren unter Assistenz der Bauleute eingemauert wurde. Dazu wurden einig Hammersprüche vom Pfarrer , dem Lehrer, dem Maurer und dem Vereinsvorstand gesagt (…).

Nun hielt Herr Pfarrer Schindelmann eine ergreifende und zu Herzen gehende Ansprache unter dem Motto: „Und der Herr sprach: Erbaut mir ein Haus und ich will in eurer Mitte wohnen“. Die tiefe Stille, die bei der Ansprache herrschte, mag dem Pfarrherrn ein Zeichen sein, wie tief seine so aufrichtig und gut gemeinten Worte in die Herzen aller Zuhörer drangen. Das Loblied „Großer Gott , wir loben dich“ beschloss die schöne kirchliche Feier.

Nach der kirchlichen Feier begab sich der Festzug zur Brauerei Winkler, wo noch einige Stunden der Unterhaltung gepflogen wurden. R.D.“

Dank für Engagement

In seiner Predigt erinnerte Pfarrer Lohneiß daran, dass im Zeitungsbericht sehr gut zum Ausdruck komme, dass der Glaube und das Für- und Miteinander für die Melkendorfer damals wichtig war. Er sagte weiter: „ Gott braucht kein Haus, die Melkendorfer haben eine Kirche gebaut, um in ihr Gott zu verherrlichen und in diesem Mittelpunkt Eucharistie zu feiern.“

Beim Blick zurück dankte der Pfarrer allen, die sich damals und auch heute für den Erhalt der Kapelle engagieren. Namentlich nannte er dabei den letzten Bürgermeister von Melkendorf, Georg Dorscht, der auch 2003 den Neubau der Sakristei organisierte. Sein Sohn Reiner sorgte jetzt dafür, dass der Innenraum der Kirche renoviert wurde. Die Außensanierung soll bis zum Weihejubiläum im nächsten Jahr erfolgen, zu der auch Erzbischof Ludwig Schick sein Kommen zugesagt hat.

Die Litzendorfer Blaskapelle umrahmte die Feier musikalisch.

Die Kapelle gehört seit 1978 der Gemeinde Litzendorf . Deren Erster Bürgermeister Wolfgang Möhrlein dankte den Melkendorfern für ihre vielen unentgeltlichen Arbeitsstunden bei der Renovierung der Kapelle.