In der Bamberger Gartenstadt und im Nürnberger Stadtteil Wetzendorf schlug im vergangenen Jahr ein Einbrecher zu. Er richtete einen hohen Sachschaden an, ließ aber ausgerechnet die wertvollsten Beutestücke zurück. Nun wurde dem 30-jährigen Mann aus Bosnien-Herzegowina, nennen wir ihn Gino, am Amtsgericht Bamberg der Prozess gemacht. Die Strafe fiel hoch aus, auch weil die Opfer bis heute unter den Einbrüchen leiden. Sogar eine Katze bekam einen Schrecken.

In Herberts Erdgeschoss-Wohnung herrscht Chaos. „Ich dachte noch: Was ist denn jetzt los?“ Doch nicht die Unordnung beunruhigt den 65-jährigen Rentner, dessen Namen wir geändert haben. Auch nicht, dass eine Schreckschuss-Pistole, 200 Euro Bargeld und eine silberne Halskette fehlen. „Das war ein Abschiedsgeschenk meiner Arbeitskollegen“. Viel mehr Sorgen macht er sich um seine Katze, die anfangs spurlos verschwunden ist. „Sie ist durch den Vorfall deutlich schreckhafter geworden.“

Schließlich bemerkt Herbert, dass seine EC-Karte inklusive Pin-Code fehlt. Beides hatte er in einer Geldkassette aufbewahrt. „25 Jahre ist nichts passiert. Da fühlte ich mich sicher.“ Noch bevor er die Karte sperren lassen kann, hat Gino innerhalb von drei Minuten 1000 Euro abgehoben. Danach verschluckt der Geldautomat im Malerviertel das Plastikteil. Herbert aber hat Glück. Die Sparkasse Bamberg ersetzt ihm den Schaden. Auf der Video-Aufzeichnung sieht man nämlich, dass Herbert es nicht gewesen sein kann.

Als Sieglinde (Name erfunden) heimkommt, steht die Gartentüre offen. „Das kam mir gleich komisch vor“, so die Hauseigentümerin. Vorsichtig schleicht sich die 56-jährige Nürnbergerin ins Haus. Drinnen fallen ihr gleich die aufgezogenen Schubladen auf. Ausgerechnet der Umschlag mit einigen Hundert Euro Bargeld und der Porsche in der Garage haben den Täter aber nicht interessiert. „Der Autoschlüssel lag auf dem Schuhschrank.“ Gino erklärt das vor Gericht mit der gebotenen Eile. Er sei nur wenige Minuten auf Beutezug gewesen. Trotzdem hat er einige DNA-Spuren hinterlassen.

In die Hände fallen ihm eine Diamantkette, eine Damenarmbanduhr, ein Paar Perlenohrringe. Für Gino sind es irgendwelche Wertgegenstände, für die 56-jährige Sieglinde hängen daran schöne Erinnerungen. Eines der Schmuckstücke hat sie von ihrem Sohn geschenkt bekommen. Die anderen sind Andenken an ihren vor fünf Jahren völlig unerwartet verstorbenen Ehemann. „Wir haben in dem Haus viele schöne Jahre verbracht.“

Obwohl Gino erst 30 Jahre alt ist, hat er bereits mehr als sechs Jahre hinter Gittern verbracht. Erst in Luxemburg, dann in Belgien. Er breche ein, seit er 17 Jahre sei, gab er unumwunden zu. Das liege an seinem Drogenkonsum, aber auch an seiner Roma-Familie, in der viele von Sozialleistungen und Straftaten lebten. Gearbeitet jedenfalls habe er sein gesamtes Leben noch nicht. Solch erfrischende Offenheit ist bei Angeklagten eher selten.

Diebesgut versilbert

Sein Diebesgut versilbert der Einbrecher beim Hehler seines Vertrauens in Nürnberg. Den Erlös investiert er sofort in Drogen. Schließlich kostet Kokain richtig viel Geld. Ein Gramm ist kaum unter 70 Euro zu haben. Da kommen monatlich 3000 bis 5000 Euro zusammen. Mit dem Restgeld lässt er sich im Taxi in die Anker-Einrichtung Oberfranken (AEO) nach Bamberg zurück fahren. Dort lebt der abgelehnte Asylbewerber, der schon längst das Bundesgebiet hätte verlassen müssen. Den Chauffeur braucht es, damit Gino während der Zugfahrt nicht zufällig in eine Kontrolle der Bundespolizei gerät.

Die Einbruchschäden an den aufgehebelten Balkontüren von 1700 Euro bzw. 2500 Euro haben die jeweiligen Versicherungen übernommen. Herbert und Sieglinde nutzen die Gelegenheit, um ihre vier Wände besser zu sichern. Spezielle Verriegelungen und Überwachungskameras kommen ins Haus, bei Sieglinde sogar ein Hund. „Dadurch ist es viel besser geworden. Vorher hatte ich richtig Angst.“ Monatelang habe sie nicht im eigenen Bett schlafen können, sei zu ihren Kindern gezogen, erzählte Sieglinde weinend. „Die Täter wissen gar nicht, was sie anderen Menschen antun.“

Nach zwei Verhandlungstagen verhängt das Schöffengericht wegen Privatwohnungseinbruch, Sachbeschädigung und Computerbetrug eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Obwohl sich Gino schon beinahe sechs Monate in Untersuchungshaft in der JVA Nürnberg befindet. Damit setzt sich Staatsanwältin Tamara Wahl durch. „Es ist eben nicht die beste Idee, in zwei Wohnungen einzubrechen, während man in einem fremden Land zu Gast ist und dessen Leistungen in Anspruch nimmt“, so der Vorsitzende Richter Matthias Bachmann.

Aufgrund seiner Rauschgiftsucht muss Gino aber erst einmal 18 Monate in das Bezirkskrankenhaus Bayreuth . In der dortigen Entziehungsanstalt soll seine Abhängigkeit bekämpft werden. Das befürwortete der psychiatrische Sachverständige Dr. Michael Wenske aus Erlangen. Auch dort wird Gino eingesperrt sein.