Am heutigen katholischen Feiertag , zu dem in Bamberg sonst die traditionelle große Prozession durch die Innenstadt gehört – sie fällt coronabedingt aus –, beleuchten Erzbischof Ludwig Schick und der evangelische Dekan Hans-Martin Lechner Fronleichnam aus ihrer Perspektive:

Fronleichnam ist wohl das katholischste aller Kirchenfeste. Wie sollen oder können evangelische Christen damit umgehen?

Erzbischof Schick: Auch evangelische Christen glauben an das heilsame Wirken des gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus . Sie können an Fronleichnam diesen Glauben stärken, für Jesus danken und für die Menschen beten. Auch wenn sie anders an die Gegenwart Christi im Abendmahl glauben als wir Katholiken , können sie Fronleichnam mitfeiern.

Dekan Lechner: In der Tat wurde das Fronleichnamsfest lange Zeit für einen evangelischen Christen als „unfeierbar“ empfunden. Inzwischen gibt es aber nicht wenige Gemeinden, in denen sich auch evangelische Amtsträger an der Prozession beteiligen. Dies fällt umso leichter, wenn Fronleichnam – wie ich es in den letzten Jahren in Bamberg erleben durfte – betont als Christusfest begangen wird. Die Botschaft von der Menschenfreundlichkeit Gottes wird in die Straßen – mitten hinein – in die Gesellschaft – getragen.

Ist der katholisch-theologische Gehalt des Fronleichnamsfestes ein Hemmschuh in der Ökumene – gerade im Blick auf ein gemeinsames Abendmahl?

Dekan Lechner: Das sehe ich nicht so! Gerade wenn wir Fronleichnam als Christusfest wahrnehmen, könnte es uns über die Konfessionsgrenzen hinweg verbinden. Ist es doch Christus selbst, der uns alle zum gemeinsamen Mahl der Versöhnung einlädt.

Herr Erzbischof , warum ist es Ihnen wichtig, Jesus Christus in der Gestalt einer Hostie in der Monstranz nach draußen zu tragen?

Erzbischof Schick: In der Hostie der Monstranz ist Jesus unter uns. Wir tragen den zu den Menschen, der unter uns gelebt hat, der allen Liebe und Barmherzigkeit erwiesen hat bis zur Hingabe seines Lebens. Wir lassen uns von dem segnen, der von sich gesagt hat: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Wir tragen Jesus Christus in unsere Städte und Dörfer, damit er uns Gerechtigkeit und Frieden, Solidarität und Nächstenliebe , Vertrauen und Hoffnung schenkt. Dafür sind die Fronleichnamsprozessionen wichtig.

Das Interview führte Marion Krüger-Hundrup.