Die Zahl der Opfer sexueller Gewalt ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Jede vierte Frau und jeder neunte Mann wird mindestens einmal Opfer sexueller Gewalt . Das heißt: In einer 30-köpfigen Schulklasse mit gleich vielen Jungen und Mädchen werden mindestens vier Kinder im Laufe ihres Lebens zum Opfer, bei einer reinen Mädchenklasse sogar mindestens sieben. Die Dunkelziffer, so vermuten Experten, ist noch weitaus größer.

Neueste Studien zeigen: Die Corona-Lage hat diese Situation verschärft, die Zahl der Opfer ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Betroffene konnten der Situation schwerer entkommen, sich weniger mit anderen austauschen. Fachliche Beratungsstellen wurden in dieser Zeit noch wichtiger.

Eine solche Beratungsstelle ist der " Notruf bei sexualisierter Gewalt", betrieben vom SkF Bamberg . "Der Bedarf nach Gesprächen ist in der Zeit des Lockdowns im Frühjahr und auch seit Herbst definitiv gestiegen", erklärt Marlies Fischer. "Für die Betroffenen ist besonders wichtig, dass wir sie ernst nehmen, neutralen Boden schaffen."

1500 Beratungsgespräche

Im vergangenen Jahr hat der Notruf Bamberg knapp 200 Menschen, die in Kontakt mit sexueller Gewalt kamen, beraten und rund 1500 Beratungsgespräche (persönlich und telefonisch) geführt. Der SkF hat Anfang 2021 den Notruf auf zwei Vollzeitstellen aufgestockt, was nur mit der finanziellen Beteiligung der Landkreise Bamberg und Forchheim und der Stadt Bamberg möglich war.

Zum Arbeitsalltag der Notruf- Mitarbeiter gehören persönliche oder telefonische Beratungsgespräche . Ein bisher großer Punkt war dabei: Männer, die Opfer sexueller Gewalt wurden, wünschen sich oft, von einem gleichgeschlechtlichen Helfer beraten zu werden. Diesem Bedürfnis kommt der Notruf Bamberg nun nach: Seit Jahresbeginn ist einer der neuen Mitarbeiter der Sozialpädagoge Marcel Heer. "Die Schwelle wird gerade bei sexuellen Übergriffen in vielen Fällen niedriger, wenn man das Erlebte einem gleichgeschlechtlichen Berater anvertraut", so Heer. Eines seiner ersten Ziele ist daher, vor allem auf Schulen zuzugehen und Präventionsangebote für Jungen anzubieten.

Ein Ziel ist für den Notruf Bamberg , dazu beizutragen, sexuelle Übergriffe klarer sichtbar zu machen, Menschen dabei zu helfen, Grenzen zu setzen und zu akzeptieren. "Dabei konzentrieren wir uns sehr stark auf mögliche Täterstrategien", sagt Fischer, denn sexualisierte Gewalt habe selten etwas mit Sexualität oder ungebremster Lust zu tun, sondern sei meist das Resultat strategisch geplanter Taten, denen Macht und Kontrolle zugrunde liegt. red