„Endlich geht’s wieder los“, zitierte Pfarrer Matthias Bambynek einen Helfer der Urbaniprozession. Denn diese konnte nach den Coronajahren nun wieder in Bamberg stattfinden und ist nachweislich bis auf das Jahr 1636 zurückzuführen. Mit ihr beginnt die Reihe der großen, prunkvollen Prozessionen in der Domstadt, an denen sich viele Gläubige und Zuschauer beteiligen.

Bruderschaft der Häcker erbittet Segen

Nach dem Gottesdienst in der Kirche „Unsere Liebe Frau“ in der Oberen Pfarre zog die Prozession am Dreifaltigkeitssonntag mit dem Allerheiligsten, getragen von Dompfarrer Markus Kohmann, den Kaulberg hinauf zum Laurenziplatz. Dort am ersten Altar , aufgebaut von der Familie Hans Motschenbacher, wurde Gottes Segen für die Früchte der Erde erbeten. Mitgebetet haben besonders die Bamberger Häcker, die diese Prozession mit ihrem Schutzpatron abhalten. Da der Weinbau in der Region zurückging, sind sie heutzutage Landwirte, die meisten im Nebenberuf. Die Bruderschaft dieser Häcker im Berggebiet diesseits der Regnitz war mit zwei Fahnenabordnungen und vielen Stabträgern dabei. Auch die Kleinsten, die „Muggnpatscher“, trugen Standarten.

Es folgten die Feuerwehr Kaulberg Löschzug 7, die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB), Kolping, der Obere Gärtnerverein, der Verein der jungen Gärtner und die Schützen Harmonia Bamberg mit ihren Fahnenabordnungen und Mitgliedern.

Zum zweiten Altar , von der Familie Pflaum aufgebaut, trug die Monstranz Diakon Josef Geißinger. Hier am Hohen Kreuz in der Würzburgerstraße stieß die zweite Prozession von St. Urban mit Kaplan Thomas Sam dazu. Unterwegs hatten sie das Altenheim, das Klinikum und die Sportstätte der Gehörlosen mit einbezogen. Bambynek widmete sich bei seinen Fürbitten der Arbeitswelt der Gläubigen in den Betrieben, Büros und sonstigen Arbeitsstätten. In der Schellenbergerstraße, am dritten Altar , geschmückt von den Frauen Will und Griesmann, wurde besonders für die Familien und die Gesellschaft gebetet.

Schwer war es für die Häcker, die Statue ihres Schutzpatrons den Oberen Stephansberg hinunter zum letzten Altar zu tragen. Aber auch die drei neuen Träger Patrick Kerschbaum, Tim Geßmer und Forian Ernst fügten sich gut in das Team ein und leisteten sich keinen Fehler. „Wir waren zuvor Stuhlträger der Muttergottes, sind so in die Dienste reingewachsen und nun aufgestiegen“, erzählten sie nachher. Alle nahmen diese Bürde gerne auf sich, fieberten diesem Tag geradezu entgegen. In ihren schwarzen Fräcken und den Stirnbändern haben sie bei den schwül-warmen Temperaturen kräftig geschwitzt, während St. Urban hoch oben herrlich geschmückt auf alle majestätisch herabblickte. Der lange Prozessionsweg war mit Hunderten grünen Birken geziert und auch viele Häuser waren besonders geschmückt.

Pfarrer bedauert sinkendes Interesse

Am vierten Altar erbat Kaplan Sam Gottes Hilfe für die Ökumene, die Kirche und besonders auch für die schwierige derzeitige Situation in der Ukraine. Nach dem vollständigen Abstieg zum Fuße des Stephansberges hieß es für Pfarrer Kohmann mit der Monstranz und die Gläubigen wieder hinaufzuziehen in die Kirche „Unsere Lieben Frau“ am Kaulberg, wo alle den Schlusssegen empfingen.

Am Ende des Gottesdienstes dankte Pfarrer Bambynek allen Helfern. Er verwies auf die im Vergleich zu den Vorjahren kleinere Runde und begründete dies mit der Ferienzeit, aber auch damit, dass sich immer weniger Menschen für das kirchliche Treiben interessieren. Umso mehr galt sein Dank Oberbürgermeister Andreas Starke . Die Anwesenheit des Stadtoberhauptes zeige, welchen Wert die Pflege von Traditionen in Bamberg habe. Bambynek fuhr fort: „Sie haben auch die Anliegen mit uns geteilt, die während der ganzen Feier zur Sprache kamen. Ich wünsche Ihnen ganz persönlich, dass Sie spüren, dass auch auf Ihnen Gottes Segen ruht, um den wir gerade in dieser Feier so oft gebetet haben.“