Ob im Ortskern oder in den Ortsteilen : Die Nachfrage hinsichtlich Bauland bleibt groß. Wo, wie und in welchem Volumen was im Detail passieren soll: Das birgt in zwei Fällen in der Gemeinde Strullendorf nachhaltiges Konfliktpotenzial.

Baubedarf versus Bauangst: Geisfeld Nord gilt inzwischen als Synonym für einen kleinen, aber hartnäckigen Interessenkonflikt. Für den Ortsrand nahe der Grenze zum Landschaftsschutzgebiet Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst gab es schon 2018 einen Antrag zu einem größeren Vorhaben in einer Ecke, die für unmittelbare Nachbarn als paradiesisch unbebaubar galt. Weil sich die Ursprungsskizze mit damals drei angedachten Baugrundstücken schnell als Grenzüberschreitung herausstellte und Nachbarn ebenso fix auf den Plan traten, entschied sich der damalige Gemeinderat für eine sanfte Lösung. Und setzte in Kooperation mit dem Planer auf Nachbarschaftstauglichkeit rund um ein kleineres Baufenster für nur ein Einfamilienhaus.

Widerspruch widersprochen

Nachdem ein Nachbar über Anwalt auch mit der jüngsten Variante haderte und der aktuelle Gemeinderat diesem Widerspruch widersprach, geht das Hickhack um die potenzielle Bebauung inzwischen in die fünfte Runde. So zweifelt der Anwohner unter anderem weiterhin am Argument der örtlichen Nachverdichtung, sieht am Ortsrand keine Baulücken, moniert den Abstand zum restlichen Wohngebiet, befürchtet Beeinträchtigung des Orts- und Landschaftsbildes, erwartet einen Fremdkörper und hadert mit der Enge der Stichstraße. Der Gemeinderat wägte jetzt erneut ab - und bekräftigte wiederum einstimmig die Argumentation für die finale Light-Version des Projekts Geisfeld Nord.

Den Abstimmungsmarathon zu den wiederholten privaten Einwendungen bezeichnete Zweiter Bürgermeister Stefan Zahner (Neue Liste) als "zäh, aber wichtig". Um den Belangen der Bürger Rechnung zu tragen, werde die fünfte Bebauungsplanänderung demnächst erneut zur öffentlichen Begutachtung ausgelegt.

Projekt Walderholungsstätte

Das Vorhaben für den Kernort ist derweil eine Nummer größer: Beim Zukunftsprojekt mit dem Arbeitstitel Wohnquartier Hauptsmoor dreht es sich ebenfalls seit 2018 um eine umfangreiche Besiedlung des Areals der ehemaligen Walderholungsstätte in Strullendorf - auf der anderen Seite der Hauptsmoor­straße. Das Ziel einer ganzheitlichen Planung wurde schon im Herbst 2018 von einer Arbeitsgemeinschaft aus sieben Gemeinderäten der letzten Wahlperiode, Verwaltungsmitabeitern der Gemeinde und dem Bürgermeister per Workshop erarbeitet - und über Konfliktpunkte rund um die Themen Bebauungsplan , Energiekonzept und nachhaltige Architektur abgestimmt.

Weil diverse Behörden mit dem notwendigen Check des Gebietes durch sind, wurde jetzt der neue Gemeinderat gebrieft: Beim damaligen Streit konventionelles Baugebiet versus nachhaltiges Pilotprojekt gab es eine knappe Mehrheit gegen ein ökologisch-ökonomisch-soziales Gesamtkonzept mit Vorbildcharakter. Man konnte sich darauf einigen, dass vorbildliche Besonderheiten der Siedlung nicht dominieren und verteuern sollen, aber trotzdem nachhaltig und zukunftsorientiert geplant werden soll.

Bei der zweiten Kernfrage, was die zukünftigen Bewohner betrifft, entschied man sich damals für komplette Offenheit - also weder für eine Bevorzugung von Strullendorfern noch für eine Quote für auswärtige Bauherren . Komplett einig war sich der Ex-Gemeinderat nur bei einem Punkt: Ein verbindlich übergeordnetes Energiekonzept - und bezahlbaren Wohnraum hatte man damals als Pflichtprogramm ausgehandelt.

Die umfangreichen Untersuchungen zum Thema Natur- und Artenschutz sind schuld daran, dass der Planer jetzt erst richtig einsteigen kann: Um zu wissen, wie viel Fläche überhaupt bebaut werden kann, muss jedes Areal quer durch die Jahreszeiten auf eventuelle Hindernisse gecheckt werden.

Noch in Arbeit ist das Thema "Vormieter": Eidechse, Fledermaus und Haselmaus wohnen aktuell im Areal und haben - je nach Ausmaß der Populationen - eventuell mit Umsiedlung zu rechnen.

Während diese artenschutzrechtliche Prüfung noch läuft und beschleunigt werden soll, hat der Planer jetzt den Auftrag für erste Skizzen bekommen: Orientiert an den ausgehandelten Vorgaben des Ex-Gemeinderates, mit dem Einverständnis des aktuellen Gremiums - und mit der Freiheit, dass zumindest außer einer tierischen Bewohnerschaft mit älteren Rechten nichts Behördliches dagegen spricht.