Derzeit ist eine Ausstellung mit fotografischen Arbeiten im Bamberger Galeria Karstadt Kaufhof zu sehen. Die Werke von Soubadeh Pashang sind noch bis zum 24. Juli während der Öffnungszeiten am Fuße der Rolltreppe des Bamberger Warenhauses zu sehen und zeigen „Die Geschichte einer Auswanderung “. In dieser setzt sich die Iranerin mit dem Thema Emigration auseinander. Während der Pandemie verschwand dieses Thema zunehmend aus dem Bewusstsein – dabei ist es allgegenwärtig: äußere Emigration , innere Emigration , der Wunsch, die angestammte Heimat zu verlassen und andernorts sein Glück zu suchen. Ostdeutsche ziehen in den Westen, Westdeutsche bauen sich neue Existenzen im Süden auf, altersarme Rentner flüchten in östliche Länder. Keine Frage: Wir leben im Zeitalter der Migration. Krieg, Klimawandel, wirtschaftliche Perspektivlosigkeit aber auch Abenteuerlust, oder schlicht der Wunsch nach Veränderung – all dies treibt Menschen an, sich neue Orte zu suchen: sei es vorübergehend oder sei es auf Dauer.

Von Teheran bis Bamberg

Soudabeh Pashang stammt aus dem Iran – auch sie zog es einst in die Ferne: Die junge Künstlerin hatte bildende Kunst und visuelle Kommunikation an der Kunstakademie in Teheran studiert, eine Fotografenausbildung nachgelegt und kam schließlich vor gut zwei Jahren nach Bamberg , um Kunstgeschichte zu studieren. Nach zahlreichen Ausstellungen in der alten Heimat hatte Pashang 2017 ihre erste Foto-Ausstellung in Deutschland. Für ihre Bildserie „Die Geschichte einer Auswanderung “, die sie inzwischen in mehreren Städten zeigte, bekam sie den Preis der „ Kulturstiftung des Bundes“.

Einige Werke aus diesem Zyklus sind nun als Leinwandabzüge bei „Kunst im Treppenturm“ bei Galeria Karstadt Kaufhof in Bamberg zu sehen. „Aus Perspektiv- und Identitätslosigkeit zu fliehen“, sagt Pashang „führt nur selten zur Identitätsfindung und ist ein Teufelskreis, der in vielen Fällen dort endet, wo er begonnen hat.“ Und weiter: „Mit der Atmosphäre in meinen Bildern möchte ich die illusionäre Auswanderung als Irrweg aufzeigen“.

Matthias Liebel, Kurator der Ausstellungsreihe Kunst im Treppenturm, urteilt: „Mit ihren Bildern eröffnet uns Soubadeh Pashang eine sehr neue, eine sehr ungewöhnliche Sicht auf das Thema Emigration . Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Biographie erweisen sich die Arbeiten der Künstlerin als durch und durch authentisch“. Gleichwohl stehe in ihren Werken die äußere Emigration im Sinne eines biographischen Ereignisses metaphorisch zugleich für die innere Emigration , in die sich manche Menschen als gedankliche Abkehr von der realweltlichen Wirklichkeit begeben. Insofern bestehe ein aktueller Bezug.

Neben den Werken zur Emigration sind auch einige imposante Landschaftsaufnahmen aus den Gebirgsregionen des Iran zu sehen: Karg und zerklüftet muten die baumlosen Hügellandschaften an, gezeichnet von Erosion, Verwitterung, Dürre und ständiger Veränderung der geologischen Formationen. Die Aufnahmen erinnern daran, dass nicht nur die Zeiten, sondern auch Landschaften sich verändern und, dass auf dieser Welt nichts so beständig ist wie der Wandel. red