Mit Ehrenämtern und deren Bedeutung für eine bürgerliche Gesellschaft, sagt Stephan Schultz, kenne er sich aus. „Ich bin mit der Überzeugung erzogen worden, dass man für die Gesellschaft auch dann Aufgaben übernimmt, wenn es dafür keinen finanziellen Lohn gibt.“ Gelernt hat Schultz diese Lektion in seiner protestantischen Pfarrfamilie.

Man muss den neuen Vorsitzenden des Musikvereins Bamberg deshalb nicht gleich zu einem protestantisch durchwirkten Pflichtmenschen verklären. Schultz selbst jedenfalls sind derlei Selbstüberhöhungen fremd. Lieber beschreibt er sich als einen, der verliebt ist ins Tun und Gelingen: „Ich stelle unheimlich gerne Dinge auf die Beine.“

Charakterisieren ließe sich Stephan Schultz auch als „raumgreifende und inspirierende Persönlichkeit“. Diese Worte kommen Martin Erzfeld in den Sinn. Bei einer Fachtagung im vergangenen Jahr lernten sich Erzfeld und Schultz kennen. Erzfeld leitet die Musikschule Bamberg , Schultz diejenige in Lichtenfels.

Zwei Kollegen, die sofort eine Verbindung zueinander fanden.

Eine schwierige Suche

Anfang des Jahres ging dem Musikverein Bamberg seine Vorsitzende verloren. Nach 25 verdienstvollen Jahren an der Spitze des Vereins erklärte Andrea Paletta ihren Rückzug.

Keine Bezahlung, aber große Verantwortung. Mit einem Wort: ein klassisches Ehrenamt. „Entsprechend schwierig war die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin“, sagt Erzfeld. Er ist dem Musikverein seit Jahren als Mitglied verbunden. Inzwischen ist er dessen Zweiter Vorsitzender .

Erzfeld ging in sich. Er erinnerte sich an diesen Musikschulleiter aus Lichtenfels. „Er schien mir der passende Mann für den Vorsitz unseres Vereins zu sein.“

Stephan Schultz: 1972 in Erfurt geboren, verheiratet, zwei Kinder. Am Cello ausgebildeter Musiker. Musikpädagoge. Musikmanager. Gründer des Leipziger Barockorchesters . Mitglied im Europäischen Barockorchester , beim philharmonischen Staatsorchester Halle, beim MDR-Sinfonieorchester Leipzig und der Magdeburgischen Philharmonie.

2004 nach Frankreich gezogen, wo seine Familie bis heute lebt: „Unter der Woche wohne ich in Franken. An den Wochenenden in Frankreich.“

Mitglied beim Ensembles Le Concert Lorrain und dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg. Seit 2006 künstlerischer Leiter des Ensembles Le Concert Lorrain. „Stephan Schultz ist ein hervorragend vernetzter Mann, der in der internationalen Musikwelt wirklich Hinz und Kunz zu kennen scheint“, sagt Erzfeld.

Emotional verbunden fühlte sich Schultz der Stadt Bamberg , ihren Menschen und ihrer musikalischen Topographie bis dahin nicht: „Es gab in der Vergangenheit kaum Berührungspunkte.“

Aber Erzfeld muss sein Ansinnen mit Inbrunst und Überzeugungskraft vorgetragen haben. Das Pflichtbewusstsein von Stephan Schultz tat sein Übriges: „Es geht darum, einen traditionsreichen und für die Stadt Bamberg wichtigen Verein in die Zukunft zu führen.“

Schultz ließ sich aus diesem Grund nicht lange bitten. Die gut 200 Mitglieder des Musikvereins zierten sich ebenso wenig. Im Mai wählten sie Stephan Schultz zu ihrem neuen Vorsitzenden .

Über die vor ihm liegende Aufgabe ist sich Schultz vollkommen im Klaren. In der kulturellen Landschaft Bambergs ist der Musikverein ein Fixpunkt. Seit seiner Gründung Mitte des 19. Jahrhunderts profilierte er sich als maßgeblicher Veranstalter klassischer Konzerte. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts holte er von Weltruhm umwehte Orchester wie die Berliner Philharmoniker unter Wilhelm Furtwängler in die Domstadt.

Seit Gründung der Bamberger Symphoniker legt der Musikverein sein Augenmerk auf die Kammermusik. An seinem Anspruch hielt der Verein ungeachtet dessen fest: Künstler und Künstlerinnen von internationalem Format nach Bamberg holen. „An diesem Anspruch will ich mich messen lassen“, sagt Schultz. Am 18. September geht der Musikverein Bamberg in die erste Spielzeit unter seiner Ägide.

In die sieben Konzerte der neuen Saison flossen auch Überlegungen seiner Vorgängerin Andrea Paletta. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, dass sich Stephan Schultz dem Bamberger Publikum auf stimmige, die vielen Facetten seiner musikalischen Persönlichkeit widerspiegelnde Weise vorstellt: am Cello und begleitet von seinem Barockorchester Le Concert Lorrain.

„Ich kann das Konzert kaum erwarten“, sagt Schultz.