Wer in der Demokratie und im Frieden schläft, wacht womöglich in der Diktatur und im Krieg auf. Ein bisschen nach diesem Aphorismus klingt, was die ganze Welt augenblicklich erlebt und was die Ukraine im Osten Europas derzeit ertragen muss. Vom Diktator Wladimir Putin mit Krieg und unmenschlicher Grausamkeit heimgesucht, wurde dieses friedliebende Land quasi über Nacht zum Spielball für die Macht- und Kriegsgelüste eines aller Humanität entsagenden, grausamen Kriegsherrn. Unendlich tapfer verteidigt sich die Ukraine, die Welt will helfen und hilft. Nur, ob das reicht, das ist angesichts des verbrecherischen Kriegs des Wladimir Putin die Frage.

Eduard Resatsch, Cellist bei den Bamberger Symphonikern und als gebürtiger Lemberger seit 1998 in Bamberg beheimatet, und die gebürtige Bambergerin Nadine Resatsch, Flötistin und Oboistin beim Konzerthausorchester Berlin , wollten jetzt zusammen mit dem wunderbar stimmbegabten Schauspieler Florian Walter vom E.T.A.-Hoffmann-Theater, dem Gundelsheimer Bürgermeister Jonas Merzbacher und vielen, vielen Gundelsheimerinnen und Gundelsheimern ein Zeichen setzen. In der Bücherei, einem Gebäudekomplex aus Alt und Neu, der gerade mit dem Architekturpreis des Bundes Deutscher Architekten in Bayern für seine die Ortsgemeinschaft inspirierenden Qualitäten ausgezeichnet wurde, fand am Freitagabend ein berückendes Friedenslob statt.

Appell des Bürgermeisters

Bewegt und kritisch eröffnete Merzbacher mit dem Hinweis, dass er seit dreizehn Jahren nicht mehr im Ausland gewesen sei. Seine letzte Auslandsreise galt 2009 dem ukrainischen Lwiw/Lemberg, bekannte der Bürgermeister. Und die Bildeindrücke von dieser herrlichen Stadt und ihren Menschen mochten ihm vor Augen gestanden haben, als ihm kurz die Stimme brach in der Trauer über das menschenverachtende Verbrechen, das Putin der Ukraine gerade antut.

„Die Büchereifenster bleiben blau und gelb illuminiert“, so Merzbacher, „und wir Gundelsheimerinnen und Gundelsheimer werden helfen, helfen, helfen.“ Hätte der Anlass für diese Friedens- und Kulturveranstaltung Applaus geduldet, Merzbacher und die Akteure Nadine und Eduard Resatsch sowie Florian Walter wären wohl immer wieder mit minutenlangen Standing Ovations bedacht worden. So aber meldete sich das berührte und bewegte Publikum nur einmal am Schluss der Darbietungen zu Wort – mit anerkennendem und respektvollem Zuspruch und Applaus, mit Dank und Spendengroßzügigkeit.

Das Programm, das die drei Künstlerinnen und Künstler und Jonas Merzbacher zusammengestellt hatten, und das Cellist Eduard Resatsch mit Eigenkompositionen auch seiner Familie und seiner Mutter in der Ukraine widmete, konnte das Publikum in Zuversicht und Hoffnung davontragen. Hin in eine friedlichere Welt, in die freilich der Widerhall von Kriegshandlungen auch immer wieder durchschlagen wollte.

Erst am Vortag habe er mit seiner Mutter ein Videotelefonat führen können, so Resatsch. Das Gespräch sei allerdings vom Kriegslärm durch- und unterbrochen und schließlich abgebrochen worden. Pure Angst und Verzweiflung schwingt da in der Stimme dieses sanftmütigen Cello-Künstlers mit. Als Publikum dieses abendlichen Kunstgenusses stand man dann hilflos, betroffen, traurig und überaus dankbar dabei. Getröstet von dem und denen, die jetzt alle Hilfe und allen Trost brauchen.