Ganz aktuell setzen Börsenprofis auf Firmen, die „Blockbuster-Medikamente“ vertreiben. Wer jetzt an BionTech denkt, hat Recht, denn in der Fachsprache der Aktienhändler bezeichnet die Redensart pharmazeutische Produkte, die mehr als eine Milliarde Dollar im Jahr Umsatz generieren. Die meisten kennen „Blockbuster“ eher aus dem Filmgeschäft.

Ursprünglich waren „Blockbuster“ Großbomben im Zweiten Weltkrieg. Ihre gigantische Druckwelle „knackte“ ganze Wohnblocks. Sprichwörtlich wurden sie noch im Krieg für erfolgreiche Bühnenstücke als Steigerung für den längst und auch bei uns bekannten „Bombenerfolg“. Die Übertragung auf Großproduktionen Hollywoods geschah etwa zehn Jahre später.

Männer in fliegenden Kisten

Das ist nur einer der rund 50 sprichwörtlichen Ausdrücke, die unsere Sprache aus dem Luftkrieg übernommen hat. Selbst so harmlos klingende wie „am Boden zerstört sein“ und „sich verfranzt haben“ gehören dazu.

Für die Übertragung der Redensarten aus der Fachsprache der Militärflieger in den Alltagsjargon waren vor allem die Medien verantwortlich. Sie berichteten seit Beginn der Fliegerei ausführlich und mit vielen Bildern über die „tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten “. So konnte Manfred von Richthofen in seinem erfolgreichen Buch „Der rote Kampfflieger“ schon 1917 mit kundigen Lesern rechnen. Das belegen Sätze im Buch wie: „Erst „verfranzt“ und dann die Kiste zerschmissen.“

Das „z“ in „verfranzt“ erstaunt manche, denn oft bezieht man heute die Redensart fürs Verirren und Irrereden auf verwirrte Teppichfransen. „Sich verfranzt haben“ stammt aber aus der Militärfliegerei. Hier nannte man Beobachter, die gleichzeitig für die Navigation zuständig waren, so gut wie immer Franz, egal wie sie wirklich hießen, die Piloten durchweg „Emil“. Hatte der Franz nicht ordentlich navigiert, flog man falsch, und dann sagte man: „Wir haben uns verfranzt.“

Alles olle Kamellen? Nein, obwohl man noch viele weitere alte Redensarten aus diesem Bereich wie „die Reißleine ziehen“, „abgeschmiert sein“, „ein tolles Fahrgestell haben“ und „auf Abfangkurs gehen“ nennen könnte.

Erst aus diesem Jahrhundert sind Redensarten, die den Tarnkappen-Bombern zu verdanken sind. Inzwischen sieht man die Silhouette des Northrop-B-2-Bombers auf T-Shirts mit der Aufschrift „stealth mode“. Als Redensart kann das Vieles bedeuten, vor allem Heimlichkeit, Unauffälligkeit, aber auch Anschleichmodus.

Wenn Sie so etwas „nicht auf dem Schirm haben sollten“, hat das mit dem Radarschirm zu tun. Man könnte angesichts der Menge dieser Luftkriegsredensarten „am Boden zerstört sein“, was übrigens von Flugzeugen stammt, die, noch ehe sie in den Luftkampf eingreifen können, auf ihren Flugplätzen zerstört wurden.

Unsere Sprache spiegelt schlicht unsere Geschichte wider, in der die vernichtenden Luftkriege und ihre Folgen eine außerordentliche Rolle spielten. Militärflugzeuge kosten außerdem ungeheure Summen, erzielen erstaunliche Flugleistungen, faszinieren die einen und entsetzen die anderen.

So muss man sich nicht wundern, wenn das Amt des Verteidigungsministers als „Schleudersitz“ bekannt ist, „Senkrechtstarter“ im Pop „durchstarten“ und Politiker „die Lufthoheit über den Stammtischen erringen“ wollen.