von unserem Mitarbeiter Martin Köhl

Bamberg — Schön, wenn der Chef es all seinen Eleven noch vormachen kann! Was Goyo Montero, höchst angesagter Prinzipal der Nürnberger Ballettsparte, in seiner neuen Choreographie zur Musik von Beethovens opus 111 auf die Bühnenbretter zaubert, hat eine ganz eigene Faszination.
Als Vierzigjähriger vermag der ehemalige Solotänzer der Deutschen Oper Berlin seinem blutjungen Nürnberger Ensemble noch allemal zeigen, was hohe Ballettkunst ausmacht. Im Mittelstück seines neuen Programms unter dem Titel "Dreiklang" weiß der Madrilene das ihm längst verfallene Publikum der Nürnberger Staatsoper einmal mehr durch seine virtuose Körperbeherrschung zu begeistern. In dieser Uraufführung von "111" steht er von der ersten Szene an im Mittelpunkt, quasi eingeschlossen in einem engen Verschlag, aus dem er sich zunehmend befreit, um rückblickend mit verschiedenen Episoden aus seinem Leben konfrontiert zu werden.
Zu Beginn dieses einmal mehr durchgehend überzeugenden Ballettabends wird in Johan Ingers "Rain Dogs" ein Kompendium aller nur denkbaren Bewegungsformen des modernen Tanztheaters geboten, inklusive eines zunehmend pantomimischen Anteils. Besonders beeindruckend in dieser Choreographie, die sich mit den Nachtgestalten des Lebens, mit verlorenen Menschen beschäftigt, ist das Spiel mit den Formationen, die ebenso plötzlich zu perfekter Homogenität finden, wie sie zu explodieren vermögen. Die raue Stimme von Tom Waits garantierte einen auratisch adäquaten Klanghintergrund.
Als recht kapriziös, weil mit höchst unterschiedlichen Stilmitteln arbeitend, erwies sich der Ballettausklang mit Ohad Naharins "Minus 16". Musikalisch reichte das vom Cha-Cha-Cha über israelische Songs bis zurück in die Lautenmusik der Renaissance. Tänzerisch stehen Gruppenformationen im Vordergrund, angesichts deren kollektiver Bewegungsmuster die "Abweichungen" einzelner Individuen um so eklatanter auffallen. Diese collagenartige Choreographie endet mit einer Indianerpersiflage. Sozusagen als zugegebenes Happening wagte Naharin noch die Einbeziehung des Publikums: Spontan auf die Bühne gebetene Damen stellten dem weiblichen Tanzvermögen in der Noris das beste Zeugnis aus.

Weitere Termine: heute, 24., 30. Mai, 4., 10., 12., 20. Juni. Karten www.staatstheater-nuernberg.de, Tel. 0180/5231600