Im Meederer Rieth, einem kleinen Feuchtgebiet südöstlich von Meeder, mähen Maschinen das Schilf, schaufeln Bagger seit Oktober eingewachsene Weiher frei und heben neue Wassermulden mit flachen Ufern aus. Mit Motorsägen schneiden Landschaftspfleger Weiden und Gebüsch zurück. Warum und für wen dieser Eingriff in die gewachsene Natur? Der LBV-Gebietsbetreuer Christian Fischer klärt auf: "Das Meederer Rieth ist ein bedeutendes Wiesenbrütergebiet."

Die Autobahndirektion Nordbayern ist dort Eigentümer einer ökologischen Ausgleichsfläche, die dem Natur- und Wiesenbrüterschutz dient. Wiesenbrüter wie Kiebitz, Bekassine und Braunkehlchen sind in Bayern vom Aussterben bedroht. "Sie gehören zu unserer Heimat und Kulturlandschaft, doch leider geht es ihnen auch bei uns sehr schlecht. Deswegen müssen wir ihnen helfen. Aber nicht nur deswegen: Auch internationale Vereinbarungen im Rahmen des europäischen Schutzprogramms ,Natura 2000‘ verpflichten uns zum Schutz der Wiesenbrüter", merkt der Gebietsbetreuer an.

Die Fläche im Meederer Rieth wurde 2011 von der Autobahndirektion Nordbayern als Ausgleichsfläche für den Bau der A73 angelegt. Auf der rund 3,5 Hektar großen Fläche wurde ein komplexes Feuchtbiotop mit mehreren Kleingewässern geschaffen.

Durch das zunehmende Aufkommen der Gehölze und wegen der fortschreitenden Verlandung der Kleingewässer seit der Herstellung sind die Bedingungen für die Wiesenbrüter jedoch nicht mehr ideal. Sie für die Wiesenbrüter im Rahmen einer Pflegemaßnahme wieder zu verbessern, darin waren sich die Akteure des Wiesenbrüterschutzes von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Coburg, der Autobahndirektion Nordbayern als Eigentümer der Fläche sowie Christian Fischer als LBV-Gebietsbetreuer einig.

Später sollen Rinder kommen

"Die Weiden werden zurückgeschnitten, damit schaffen wir wieder ein offenes, übersichtliches Gelände, in dem sich Wiesenbrüter wohler fühlen. Künftig soll die Fläche weiter mit Hilfe von Weiderindern offengehalten werden, so dass auch Rinderhalter vom Wiesenbrüterschutz profitieren können", sagt Christian Fischer.

Sicht ist lebenswichtig

Wiesenbrüter leben in feuchten, lückigen und artenreichen Wiesen, die Nahrung und Deckung bieten. Wichtig ist den Vögeln eine gute Rundumsicht. Als Bodenbrüter haben sie zahlreiche Feinde zu Boden und zu Luft. Daher bevorzugen die Vögel die offene, gehölzarme Landschaft, in der sie Bedrohungen frühzeitig erkennen und sich Feinde wie der Fuchs nicht im Gehölz verstecken können.

Die Umsetzung und Koordinierung der Pflegemaßnahme erfolgte durch die Dienststelle Bayreuth der Autobahndirektion Nordbayern. Der LBV und die Untere Naturschutzbehörde haben die Maßnahme fachlich begleitet. Bis zum nächsten Baggereinsatz soll die Feuchtfläche auch weiter mit Rindern beweidet werden. Das Meederer Rieth liegt in einem europäischen Vogelschutzgebiet mit dem Namen "Itz-, Rodach- und Baunachaue", das Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzes "Natura 2000" ist. Jede Nation der EU ist hier zum Schutz von Tier- und Pflanzenarten und ihrer Lebensräume verpflichtet. Was zu tun ist, ist in einem sogenannten "Managementplan" festgeschrieben, so auch der Wiesenbrüterschutz. Die Öffentlichkeit kann Einblick in die Pläne nehmen. Sie können von der Homepage des Bayerischen Landesamtes für Umwelt heruntergeladen werden. red