von unserem Redaktionsmitglied 
Andreas Lösch

Kreis Haßberge — Eines muss Armin Heller zum Glück nicht beachten: saisonale Trends. Die gibt es beim Schneiden von Bäumen nicht. Apfelbäume tragen diesen Sommer nicht kurz mit Stufen und einem Ahorn steckt man nicht die Äste hoch. Beim Baumschnitt geht es laut Heller darum, der Pflanze möglichst viel Licht und Nährstoffe zukommen zu lassen und sie von unnötiger Last zu befreien. Denn: manche Äste sind sich gegenseitig im Weg.
Verhunzen kann man den Baum aber trotzdem ganz leicht: "Es werden so viele Fehler gemacht, obwohl es eigentlich gar nicht so schwer ist", sagt Landschaftsgärtner Armin Heller, der für den Grünflächenbetrieb des Kreisbauhofes arbeitet. Stumpfes Werkzeug, falscher Schnittwinkel, falscher Zeitpunkt: Einfache Tipps können da entgegenwirken.
Dem Fränkischen Tag hat Armin Heller gemeinsam mit Kreisfachberater Johannes Bayer gezeigt, wie es geht. Hält man sich an ein paar Regeln, kann man als Gartenbesitzer das Wachstum seiner Bäume optimieren.
"Man muss schon unterscheiden, ob man jetzt einen Obstbaum hat oder Ziergehölz", erklärt Johannes Bayer. Bei Ziergehölz gehe es vorrangig um die Form und wie sie möglichst gleichmäßig nach oben wachsen. Ziel bei Obstbäumen ist ein jährlich möglichst gleichmäßiger Frucht-Ertrag. Faustregel: "Wichtig ist es, immer einen Leittrieb zu haben", sagt Bayer. Der Leittrieb kann in gewissem Sinne als Fortsetzung des Baumstammes gesehen werden: Ab der Stammhöhe, auf der sich die Äste ausbilden, wachsen meist ein bis zwei Holztriebe nicht in die Breite, sondern in die Höhe. Oftmals bildet sich bei Bäumen eine Gabel aus. Hier versucht man, den Baum bereits in jungen Jahren auf den richtigen Weg zu bringen, indem man sich für einen Trieb entscheidet. Und zwar für den, der am zielstrebigsten in die Höhe wächst. Der andere wird herausgenommen.

Gleichmäßig in die Breite

Von diesem Mittelleittrieb ausgehend, so erklärt es Armin Heller, will man nun drei Äste gleichmäßig in die Breite wachsen lassen. "Das sind die, die die Früchte tragen", sagt er und zeigt an einem Apfelbaum auf die Knospen, die sich bereits ausgebildet haben. Das Exemplar, an dem Heller die Schnitttechnik demonstriert, gehört der Stadt Haßfurt und ist seinen Schätzungen zufolge etwa zehn bis 15 Jahre alt: der eine oder andere gute Zeitpunkt zum Schneiden sei bereits verpasst worden. Heller schneidet mehrere große Äste mit der Säge heraus. Die waren doch gesund? Ja, aber darum gehe es nicht, erklärt der Landschaftsgärtner: Ein Ast, der quer durch die Krone wächst, nimmt anderen Ästen Platz und somit die Möglichkeit, viel Sonnenlicht abzubekommen. Auch zieht er Nährstoffe ab.
Schneidet man Obstbäume nicht regelmäßig (Heller: "Im Idealfall jährlich"), kann es sein, dass er in einem Jahr extrem viele Früchte trägt, im nächsten dafür fast keine. Auch behutsam sollte man vorgehen: Bäume, die längere Zeit nicht geschnitten wurden, sollten nicht auf einmal in die richtige Form gebracht werden, sondern nach und nach. Denn jeder Schnitt bedeutet trotz guter Absicht dahinter eine Verletzung für den Baum. Verliert er zu viele Äste auf einmal, investiert er viel Aufwand darin, neue nachwachsen zu lassen. Das Resultat: sogenannte Wassertriebe. Die tragen später selten Früchte, nehmen anderen Ästen eventuell Licht und kosten den Baum zudem Nährstoffe.

Rat bei Gartenbauvereinen holen

Hobbygärtnern empfiehlt Johannes Bayer, sich Rat bei den örtlichen Gartenbauvereinen zu holen. Freilich sei es aber auch möglich, Bäume einfach wachsen und der Natur freien Lauf zu lassen. Wer aber Baumpflege betreibt, sollte früh damit beginnen: Gleich nach dem Pflanzen sollte ein Pflanzschnitt gemacht werden. Dieses In-Form-Bringen setzt man laut Bayer die ersten (bis zu zehn) Jahre fort, man nennt es Erziehungsschnitt. Später erhält der Baum dann regelmäßig Pflegeschnitte und später im Alter Erhaltungsschnitte. Der richtige Zeitpunkt, um Obstbäume zu schneiden, ist jetzt, sofern keine Minusgrade herrschen. Eine Ausnahme wegen des Zeitpunkts bildet der Kirschbaum: Schneidet man Obstbäume um die Zeit im Februar, wird die Kirsche unmittelbar nachdem sie Früchte getragen hat geschnitten: im Sommer.