Wort zum Sonntag für 22. Januar:

Neulich im Radio – „ Männer “ von Herbert Grönemeyer . Unglaublich, fast schon 40 Jahre alt ist dieses Lied. Bewusst ironisch zeichnet er ein Männerbild nach, mit dem viele, auch ich selbst, damals groß geworden sind.

„ Männer weinen heimlich; Männer steh’n ständig unter Strom; außen hart und innen ganz weich; Männer führen Kriege; Männer sind einsame Streiter, müssen durch jede Wand, müssen immer weiter.“ Und auch das stimmte bei mir: „... werd’n als Kind schon auf Mann geeicht.“

Damit wurde ich groß. Wenn ich meiner ersten Freundin keine Träne nachweinen durfte. Und wenn jede Verletzung beim Fußball mit einem „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ besiegt werden musste.

„Wann ist ein Mann ein Mann ?“, fragte Grönemeyer damals immer wieder. Irgendwie kommt mir in den Sinn, dass ich im Laufe der Jahre einen Mann kennengelernt habe, der anders ist als dieses Bild. Was Jesus so in seinem Leben tat, das fiel vor 2000 Jahren schon mächtig aus dem Rahmen. Gut, einmal, da rastet er doch aus, als der Tempel Gottes als Marktplatz missbraucht wird. Da randaliert er mit Gewalt, wirft alles um, vertreibt die Händler mit der Peitsche. Starke Emotion!

Aber sonst ist bei ihm vieles anders. Ein neues Bild vom Mann und doch schon 2000 Jahre alt. Männer hören zu, sind aufmerksam und zugewandt. Männer nehmen die Menschen in ihrem Alltag an: Männer , Frauen, Kinder, Junge und Alte.

Männer schaffen Frieden und ermutigen andere, es genauso zu machen. Männer reden mit anderen auf Augenhöhe. Das bedeutet, sich auch mal klein zu machen anstatt der große Macker zu sein. Männer helfen, wo sie gebraucht werden. Männer können heilsam sein, andere aufbauen.

Männer brauchen auch Ruhe und Stille, um wieder Kraft zu schöpfen. Männer haben Gefühle und zeigen sie auch. Männer weinen (nicht heimlich). Männer lieben Gemeinschaft, ihre Freunde und Familie. Und Männer wissen darum, was Gott uns alles schenkt. Überlegen Sie selbst: „Wann ist ein Mann ein Mann ?“

Diakon Manfred Müller ,

Pastoraler Raum Hammelburg