Marion Krüger-Hundrup

Bamberg — Den sterblichen Überresten "unseres" Bamberger Kaisers Heinrich II. blieb zumindest das erspart, was denen seines Quasi-Kollegen Leopold III. in Österreich widerfuhr: Dessen Gebeine, im niederösterreichischen Stift Klosterneuburg als Reliquien verehrt, wurden mit modernsten DNA-Untersuchungen erforscht. Ein Ergebnis: Leopold (1073 geboren, regiert 1095-1136) war überdurchschnittlich groß und von robuster Gesundheit.
Davon kündet die neue Ausstellung im Diözesanmuseum unter dem Titel "Der heilige Leopold von Babenberg. Mensch-Politiker-Legendenfigur". Der Familienname Babenberg lässt schon erahnen, warum sich dieses Bamberger Dombergmuseum einem hierzulande wohl unbekannten Alpenländler widmet.


Verwandte in Bamberg

Die Babenberger waren ein österreichisches Markgrafen- und Herzogsgeschlecht fränkisch-bayerischer Herkunft. Der Name leitet sich von Bamberg ab, auch wenn eine direkte Abstammung von den in unserer Gegend ansässigen älteren Babenbergern historisch nicht nachweisbar ist. Doch eine Verwandtschaft über mütterliche Vorfahren dürfte naheliegend sein. Jedenfalls "hat sich Leopold III. auf die ältere Linie in Bamberg zurückgeführt", weiß Museumschef Holger Kempkens.
Als weitere "Brücke zwischen Bamberg und Österreich" nennt Kempkens das Faktum, dass Leopolds Gemahlin Agnes von Waiblingen aus einer ersten Ehe Mutter des deutschen Königs Konrad III. war, der in der Ostkrypta des Bamberger Doms begraben liegt. Vor allem aber könnten, so der Museumsleiter, die Paare Heinrich und Kunigunde sowie Leopold und Agnes "gut gegenübergestellt werden in ihrer besonderen Herrschaftsausübung und der bis heute andauernden Verehrung". So hätten etwa beide Paare auch Kirchen und Klöster gestiftet und vielerorts Spuren hinterlassen.


40 Jahre lang Herrscher

Die Präsentation im Diözesanmuseum erzählt mit Exponaten wie gesiegelte Urkunden, Handschriften, Baufragmenten, Gemälden, Kupferstichen oder Skulpturen die Lebensgeschichte Leopolds. Er herrschte 40 Jahre lang erfolgreich in einem kriegerischen Umfeld, galt als fromm und mildtätig. Zwei heute noch bestehende Klöster wurden von Leopold gegründet: Chorherrenstift Klosterneuburg und das Zisterzienserstift Heiligenkreuz. Beide Stifte werden in der Ausstellung ausführlich dargestellt. Museumsleiter Kempkens führt die bedeutsamsten Schätze der Schau an: die sogenannte Bibel des heiligen Leopold aus dem Jahr 1136, den neugotischen Leopoldschrein (1860/70) und natürlich die Fragmente des sogenannten Markgrafen-Ornats (14. Jahrhundert). Diese türkisfarbenen Seidenstoffe mit aufgestickten Papageien, Hähnen und Blättern korrespondieren auf gelungene Weise mit den weltweit einzigartigen Textilien in ihrer Heimstatt Diözesanmuseum.
Diese wertvollen Exponate - Leihgaben unter anderen aus den Kunstsammlungen und Archiven des Stiftes Klosterneuburg - entschädigen dafür, dass statt Originalgemälden teilweise nur fotografische Abbildungen an den Museumswänden hängen.


Die Schleierlegende

Auch so reizvolle Kleinodien wie eine Zigarettendose (um 1880) mit einer aufgemalten Miniaturszene lassen darüber hinwegsehen. Die Szene auf dem Döschen zeigt die Gründungslegende von Stift Klosterneuburg, die Schleierlegende, die nicht nur eine der populärsten, sondern auch eine der ältesten Ursprungslegenden Österreichs ist. Sie hat das Leopold-Bild stärker geprägt als die vergleichsweise dürren historischen Fakten. Und bringt den Bambergern die an sich fernen Leopold und Agnes näher: Wer kennt hier nicht die Schleierlegenden um die heilige Kunigunde?!
Leopold wurde 1485 heiliggesprochen. Wie populär der Landespatron von Niederösterreich noch heute ist, belegen zeitgenössische Künstler mit ihrer Sicht der Person Leopold. Grafiken, Fotografien, Cartoons, Installationen stehen in einem faszinierenden Kontrast zu den altehrwürdigen Exponaten.