Lange haben sie warten müssen, jetzt gab's lange Gesichter in Rathäusern entlang der B 279. Der Wunsch auf eine baldige Realisierung der Ortsumgehungen ist durch Vorlage des neuen Bundesverkehrswegeplanes in weite Ferne gerückt. Für solche Projekte steht voraussichtlich vor 2030 kein Geld zur Verfügung. Die im fernen Berlin verkündete Entscheidung, die durch das Konsultationsverfahren kaum noch geändert werden dürfte, sorgt für Grollen der Bürgermeister, birgt parteipolitischen Zündstoff in sich und setzt auch bislang gut nachbarschaftliche Beziehungen einer harten Bewährungsprobe aus, wie sich im Fall der VG-Partner Baunach und Reckendorf abzeichnet.
So machte Baunachs Bürgermeisters Ekkehard Hojer (UBB) das Zaudern des Reckendorfer Gemeinderats für das Scheitern zum Bau einer gemeinsamen Umgehung verantwortlich und plant nun einen Baunacher Alleingang. "Ich werde meinem Stadtrat vorschlagen, dass wir beim Bundesverkehrsministerium eine Ortsumgehung beantragen, die im Osten an Baunach und Reckenneusig vorbei führt und dann wieder in die alte Trasse der B 279 mündet."


Drei Landkreise betroffen

Zur "Großwetterlage": "Aufgrund des Nutzen-Kosten-Verhältnisses ist das Projekt ausreichend wirtschaftlich. Gleichwohl erfolgt eine Einstufung in den weiteren Bedarf", heißt es im Bundesverkehrswegeplan lapidar zu den geforderten Umgehungen der B 279 zwischen Baunach und Bad Neustadt in den Kreisen Bamberg, Haßberge und Rhön-Grabfeld.
Den gewünschten Umgehungen von Baunach/Reckendorf, Pfarrweisach/Junkersdorf, Maroldsweisach/Ermershausen sowie Saal an der Saale wurde aber nicht die Dringlichkeit beigemessen, dass ein Bau als vordringlich eingestuft wurde. In einem für das gesamte Bundesgebiet standardisierten Bewertungsverfahren, das im Internet eingesehen und eine Meinung dazu abgegeben werden kann, sind zwar mögliche Umgehungstrassen eingezeichnet, aber klare Festlegungen fehlen. Termine? Fehlanzeige.
Stinksauer ist nicht nur Baunachs Bürgermeister Ekkehard Hojer. "Nach all den Mühen und Gesprächen, dass die Umgehung Baunach/Reckendorf wieder in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes aufgenommen wird, ist es mehr als enttäuschend, dass wir nur noch im weiteren Bedarf gelandet sind." Noch im Dezember war er mit Innenstaatssekretär Gerhad Eck (CSU) und der CSU-Bundestagesabgeordneten Emmi Zeulner zusammen gesessen. "Dabei hatte es geheißen, dass es sehr wichtig sei, vor Ort, in den Gemeinden, eine Einigung hinsichtlich der favorisierten Trassenführung zu erzielen."
Das habe man sich in Baunach zu Herzen genommen: "Die Mehrheit der Bevölkerung von Baunach, in einer IG B279 Baunach zusammengeschlossen, lehnt die Westtrasse ab, auch der Stadtrat von Baunach hat sich einstimmig für die Ostvariante entschieden Leider ist dies in Reckendorf nicht der Fall. Hier gibt es sowohl für die Ost- als auch für die Westtrasse Befürworter. Solange die Reckendorfer und der Gemeinderat von Reckendorf sich nicht eindeutig für eine Variante positionieren, wird es wohl auch keine Aufnahme in den vordringlichen Bedarf geben", meint Hojer zur Reckendorfer Doppel-Strategie, wo sich Gegner und Befürworter von Ost- und Westvarianten in den jeweiligen Siedlungen gegenüber stehen. Hojer: "Diese fehlende Positionierung ist wohl auch der Grund, dass im Verkehrswegeplan für eine Umgehung Baunach/Reckendorf keine Kosten, keine km-Zahl, keine Dringlichkeit und kein Nutzen-Kosten-Verhältnis zu finden sind. Es ist nur vermerkt, dass die Umwelt und naturschutzfachliche sowie die städtebauliche Beurteilung hoch ist."


Vorwurf ans CSU-Ministerium

Anders als sein Gemeinderat hat Reckendorfs Bürgermeister, Manfred Deinlein (SPD) eindeutig Stellung bezogen: Er hat sich klar für eine Ostumgehung ausgesprochen, bekam aber in der jüngsten Gemeinderatssitzung dafür keine Mehrheit.
Deinleins Fazit enthält daher auch einen Seitenhieb auf CSU und das von ihr geführte Verkehrsministerium: "Obwohl Reckendorf, namentlich die Reckendorfer CSU, die Diskussion um die Ortsumgehung gerade in den vergangenen Monaten massiv befeuert hat, ist es nicht gelungen, die Umgehung als vordringlichen Bedarf in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen. Die Ausweitung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen war im Koalitionsvertrag vereinbart, wird vom Bundesverkehrsminister nicht umgesetzt. Wir setzen darauf, dass nun wenigstens die Ankündigung des Bundesverkehrsministers, auf Bundesstraßen Geschwindigkeitsbeschränkungen zuzulassen, schneller umgesetzt wird als die Einführung der Pkw-Maut für Ausländer."
Frust schiebt auch der Pfarrweisacher Bürgermeister Ralf Nowak (ULB): "Leider hat man die B 279 nicht als wichtig anerkannt. Der Schwerlastverkehr und die Navi-Fahrer dagegen kennen ihre Bedeutung. Auch die vielen aus- und einpendelnden Arbeitnehmer sind auf sie angewiesen. Eine moderne Verkehrsführung sieht anders aus, wie wir sie beispielsweise von der B 303 her kennen. Einerseits wurde uns einstmals moderne Infrastruktur genommen - gemeint: der Abbau der Bahnstrecke -
andererseits wird uns kein Ersatz gegeben. Und seitens der Kommune sind wir finanziell so schwach aufgestellt, dass wir nicht mal den Radweg auf der Bahntrasse realisiert können."
Ein Trostpflaster hat Maroldsweisachs Bürgermeister Wolfram Thein (SPD) aus dem Bundesprojekteplan herausgelesen: "Zumindest Voruntersuchungen sind erwähnt." Er hat sich aber noch nicht so intensiv damit beschäftigt, weil mit anderen Problemen belastet: "Die Vollsperrung der B 279 zwischen Maroldsweisach und Ermershausen seit Beginn dieser Woche macht doch mehr Ärger als gedacht. Wir müssen erst die Umleitungen zum Laufen bringen." Der aktuell begonnene Abtrag der Rehbergkuppe, eine Baumaßnahme, die sich bis zum Ende der Sommerferien hinzieht, hält ihn auf Trab. Auch ein Indiz dafür, dass absehbar keine Umgehung kommt.
Aber auch so kleine Maßnahmen helfen. "Dass die Westumfahrungen gar nicht mehr aufgenommen wurden", findet CSU-Abgeordnete Emmi Zeulner für Baunach und Reckendorf "gar nicht so schlimm, weil's kaum einer will". Daher will sie mit den Bürgermeistern und Bauamt bald das Gespräch suchen. Wichtig erachtet sie, für die Ortsdurchfahrt von Reckendorf schnell Erleichterungen mit Flüsterasphalt, Kreiseln oder Querungshilfen zu erreichen.