Der Awo-Kreisverband Coburg hat sich zum ersten Mal am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung der Aktion Mensch beteiligt. Das Mehrgenerationenhaus Bad Rodach, der Bürgertreff Ebersdorf und der Treff am Bürgerplatz in Rödental luden ein zu einer Online-Veranstaltung unter dem Motto "Vom Neben-Einander, zum alltäglichen Mit-Einander! - Teil-Habe-Barrieren gemeinsam erarbeiten und dagegenwirken". Neben interessanten Beiträgen von Menschen mit Behinderung, die über ihre Alltagsbarrieren berichteten, stellten sich auch Anlaufstellen vor.

Die Alltagsbarrieren seien bis heute recht unterschiedlich und stets von der Behinderung abhängig. Eine Gemeinsamkeit kristallisierte sich jedoch heraus: Vor allem bürokratische Hürden schränken die Teilhabe in vielen Bereichen ein. Insbesondere die langen Antragsverfahren mit häufigen Ablehnungen stellen Menschen mit Beeinträchtigungen vor große Herausforderungen. Mit dieser Problematik musste sich Jens Neugebauer, dessen Sohn ein Handicap hat, schon öfter auseinandersetzen. Er berichtete aus eigener Erfahrung, dass der Genehmigung von benötigten Hilfsmitteln oft ein langer Prozess vorausgehe, der nicht immer nachvollziehbar sei.

"Meine Hilfsmittel werden konsequent bei der ersten Beantragung abgelehnt", berichtet Nina Hofmann von ihren Erlebnissen. Des Weiteren empfindet sie fehlende Akzeptanz und Toleranz als weitere Alltagsbarrieren. "Für viele Menschen ist es immer noch belastend, auf die Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigung einzugehen", erläutert sie. Carsten Höllein, Awo-Geschäftsführer, macht in diesem Zusammenhang deutlich, dass dies darauf zurückzuführen sei, dass immer noch zwischen Menschen mit und ohne Behinderung differenziert werde.

"Um Inklusion in allen Bereichen umzusetzen, darf es keine Absonderung mehr geben", sagte er bei der Online-Konferenz. Um dem entgegenzuwirken, setzt sich auch der stellvertretende Behindertenbeauftragte der Stadt Coburg, Harald Dütsch, dafür ein, dass mehr barrierefreie Toiletten im Stadtgebiet Coburg etabliert werden.

Barrierefreiheit beachten

"Kulturelle Teilhabe ist für Menschen mit Behinderung ge-nauso wichtig wie Inklusion im Bereich Schule oder Arbeit", führte Harald Dütsch aus. Da ihm Teilhabe sehr wichtig ist, fordert er auch dazu auf, bei Gebäudesanierungen auch an die Barrierefreiheit zu denken. red