Von einer Beratungsstelle für Hilfesuchende nach dem Krieg hin zum fünftgrößten Arbeitgeber in Kulmbach - der Kreisverband Kulmbach der Arbeiterwohlfahrt (Awo) hat in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung durchlebt. In diesem Jahr feiert er sein 75. Jubiläum. Kreisvorsitzende Inge Aures sowie der stellvertretende Kreisvorsitzende Hartmut Rochholz hatten vor kurzem rund 20 Gäste aus Ortsvereinen und erweitertem Vorstand sowie den Ehrenkreisvorsitzenden Oskar Schmidt in die Inklusionsgaststätte "Spinnstube" in Mainleus geladen - eine größere Feier war pandemiebedingt nicht möglich.

Am 5. September 1946 wurde der Ortsausschuss der Awo in Kulmbach durch Hans Herold wiedergegründet. Damals boten ehrenamtliche Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen unentgeltliche Beratungsstunden für Hilfesuchende an. Mit der Zeit kamen weitere Ortsvereine, Einrichtungen und Dienste und damit auch Mitglieder und Mitarbeitende zum Awo-Kreisverband.

Heute, 75 Jahre später, ist der Awo-Kreisverband Kulmbach mit fast 2000 Mitgliedern in zehn Ortsvereinen der größte Wohlfahrtsverband und mit rund 850 haupt- und ehrenamtlichen Beschäftigten der zweitgrößte Arbeitgeber im sozialen Bereich im Landkreis Kulmbach. Über 2000 Menschen in und um Kulmbach nutzen täglich eines oder mehrere Angebote des Kreisverbands.

Diesen Erfolg hat der Kreisverband vor allem seinen Mitgliedern und haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu verdanken. Darauf machte auch die Kreisvorsitzende Inge Aures in ihrer Tischrede aufmerksam. Dabei rückte sie zu Beginn der Veranstaltung eine Frau in den Fokus: Liane Wagner. Sie ist 1968 in die Awo eingetreten. In ihrer 50-jährigen Tätigkeit als aktives Vorstandsmitglied war sie 16 Jahre Vorsitzende des Ortsvereins Untersteinach und 16 Jahre Mitglied des Kreisvorstands. In dieser Zeit habe sie einiges bewegt. So habe sie sich unter anderem dafür starkgemacht, dass die Arbeiterwohlfahrt in Kulmbach die Patenschaft für das Rehbergheim der Mathilde-Trendel-Stiftung übernommen hat. Liane Wagner ist am 5. September verstorben - ihr Wirken habe viele inspiriert und bleibt unvergessen.

Mit neun Jahren eingetreten

Auch Maria Schmied hat sich lange Zeit mit Liane Wagner in der Arbeiterwohlfahrt engagiert. Seit 60 Jahren ist sie ein aktives und geschätztes Mitglied im Ortsverein Untersteinach. Inge Aures und Hartmut Rochholz ehrten Maria Schmied für ihre 60-jährige Mitgliedschaft mit einer Urkunde, einem Geschenk und einem Blumenstrauß.

Eine weitere Auszeichnung erhielt Lothar Semmelroch, der nicht nur am Gründungstag der Awo Kulmbach Geburtstag hat, sondern auch seit 1946 Mitglied ist. Als damals Neunjähriger ist er in den Kreisverband eingetreten. So feiert er in diesem Jahr seine 75-jährige Mitgliedschaft.

Damit ist er nicht nur das Mitglied mit der längsten Zugehörigkeit, sondern gleichzeitig auch ein Zeitzeuge der damaligen Wiedergründung. Seine Mutter war es, der es am Herzen lag, dass die Familie der Arbeiterwohlfahrt beitritt, denn bereits ihr Mann war ein aktives Mitglied des damaligen Awo-Ortsausschusses, der von 1925 bis 1933 existierte. Als 1933 die Arbeiterwohlfahrt deutschlandweit verboten wurde, wurde auch der damalige Ortsausschuss in Kulmbach aufgelöst. Seiner Mutter und später auch Lothar Semmelroch selbst war es ein großes Anliegen, dass die Awo Kulmbach damals wieder "auf die Höh' kommt", wie er berichtet. Dafür hat er sich in den vergangenen 75 Jahren immer aktiv eingesetzt und ist bis heute ein sehr engagiertes und gerngesehenes Mitglied. Auch Semmelroch erhielt für seine langjährige Zugehörigkeit eine Urkunde von den beiden Kreisvorsitzenden. red