Die älteste datierte Sandsteinmarter aus dem Jahre 1603 steht zwischen Neufang und Birnbaum an der Straßenabzweigung nach Eibenberg. Bei der Inventarisierung der Marternlandschaft im Jahre 1973 stellte ich damals fest, dass dieses wertvolle Flurdenkmal im Laufe der Jahrhunderte in Schieflage geraten war. Mit einem langen Stahlseil hatte man das Kunstwerk bereits notdürftig im Boden verankert, um es vor dem Einstürzen zu bewahren. Um Abhilfe bemüht, nahm ich Kontakt mit der damals noch eigenständigen Gemeinde Birnbaum auf, denn noch war eine Sicherung ohne großen finanziellen Aufwand möglich.

Bürgermeister Albert Reißig nahm sich der Sache an und schuf ein neues Fundament. So konnte die Marter im Frühjahr 1974 wieder gefestigt am alten Standort aufgestellt werden. Sie war von der Straße zurückversetzt und zusätzlich durch den Straßengraben gesichert worden. Wir alle waren davon überzeugt, dass sie die nächsten Jahrzehnte ohne neue Schäden überstehen werde.

Die Wirklichkeit sah aber anders aus, denn bereits drei Jahre später lag das nicht nur religionsgeschichtlich wertvolle Denkmal total zerstört am Boden. Was war passiert?

In einem Telefonanruf wurde mir mitgeteilt, dass die Marter im Flurstück Kleinneuenreuth schon einige Tage in "tausend Trümmern" am Boden liege. Der Verursacher, vermutlich ein Fahrzeugführer, habe sich aber bislang nicht gemeldet. Eine Rückfrage bei der hiesigen Polizei ergab, dass diesbezüglich auch kein Unfall gemeldet worden sei. Vor Ort ergab sich ein Bild der völligen Zerstörung. Der Sockel, die Säule und der Aufsatz mit seinen Heiligenbildern waren durch den Aufprall eines Pkw meterweit durch die Luft katapultiert und beschädigt worden.

Gewaltig gekracht

Zierleisten und Glasscherben vom Fahrzeug bestätigten den Aufprall eines Autos. Es muss gewaltig gekracht haben, als das Auto die Marter in einen Trümmerhaufen verwandelte, denn der entstandene Schaden war beträchtlich.

Da sich der Verursacher nicht gemeldet hatte, vermutete ich, dass sich der Unfall eventuell anlässlich einer Autorallye ereignet haben könnte, deren Streckenführung kürzlich durch den Oberen Frankenwald verlief. Nachfragen bei den Bürgermeistern in Neufang und Birnbaum blieben jedoch ebenso ergebnislos wie die Nachfrage beim örtlichen Geistlichen. Dieser gab allerdings zu bedenken, dass vor Tagen im Ort ein Jugendtanz stattgefunden habe und bat darum, noch eine Woche mit der polizeilichen Ermittlung zu warten. Er werde im Gottesdienst auf die Situation aufmerksam machen. Sollte sich jedoch niemand melden, so sei dem Verursacher nicht zu helfen. Nach wochenlangem Warten blieb keine andere Möglichkeit als die offiziellen Ermittlungen zur Schadensbehebung einzuleiten.

Anhand der am Unfallort zurückgebliebenen Teile des Fahrzeuges ermittelte die Polizei in kürzester Zeit den Autotyp. Aufgeschreckt durch die Nachforschungen meldete sich einen Tag später der Unfallverursacher bei mir an der Haustür und fragte nach, wie er sich nun verhalten solle. Etwas peinlich für ihn, denn er kannte mich persönlich. Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass es nach der langen Wartezeit kein "Zurück" für sein Fehlverhalten gebe. Deshalb führte ihn sein Weg anschließend direkt zur Polizeistation, wo man ihn über die Folgen seiner Unfallflucht aufklärte.

Die Begleichung des Schadens und die Wiederaufstellung der Marter am 23. Juni 1978 waren das eine. Genau so schmerzlich traf den Fahrzeuglenker allerdings der Verlust der Fahrerlaubnis über einen längeren Zeitraum.