12. August 2015: Der heute 59-jährige Frührentner rammt mit einem geliehenen BMW auf der A 7 bei Wasserlosen und auf der A 70 bei Werneck im Minutentakt Autos seitwärts, drängt sie ab oder bremst sie aus. Das alles bei einem lebensgefährdenden Tempo von um die 140 Stundenkilometer.


Unbefristet in die Klinik

Am Mittwochnachmittag hat die Erste Große Strafkammer am Landgericht Schweinfurt am zweiten Prozesstag gegen den schuldunfähigen Mann eine unbefristete Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus verfügt. Eine neue Fahrerlaubnis dürfen die Behörden frühestens in fünf Jahren erteilen.
Die Horrorfahrt, bei der "Gott sei dank keine Personen zu Schaden kamen", wie der Vorsitzende feststellte, geschah abends. Vier Stunden davor hatte der Mann in Bad Neustadt ein Fahrzeug, ohne dass es der Verkehr erforderte, dreimal auf 30 Stundenkilometer heruntergebremst, eine rote Ampel überfahren und sogar - erfolglos - ein fünfjähriges Mädchen zum Mitfahren aufgefordert. Am selben Tag noch wurde er festgenommen. Er befindet sich seither in der Forensik in Werneck.
Nach Bad Neustadt fährt der Mann mit dem BMW über die A 7 zurück nach Schweinfurt, wo er das Auto angemietet hatte. 18.15 Uhr: Auf der Höhe von Wasserlosen überholt er einen Audi auf der Standspur, zieht vor diesem nach links und bremst stark ab, so dass der Fahrer ebenfalls stark bremsen muss, um einen Unfall noch zu vermeiden. Eine Minute später fährt er mit rund 160 km/h auf einen Mercedes auf, rammt ihn dreimal so stark, dass der Wagen ins Schlingern gerät. Wieder eine Minute später fährt er mit 140 Sachen auf einen VW Passat dicht auf. Dessen Fahrer beschleunigt aus Angst. Der Frührentner rammt den VW zweimal, schiebt diesen einige Zeit vor sich her. Als dessen Fahrer auf den Standstreifen ausweicht, folgt ihm der 59-Jährige und rammt das Fahrzeug erneut.
18.18 Uhr: Der Beschuldigte befindet sich nun auf der linken Spur neben einem Jaguar. Bei Tempo 80 bis 100 steuert er sein Fahrzeug unvermittelt nach rechts. Nur durch Ausweichen auf die Standspur und starkes Abbremsen kann die Jaguar-Fahrerin einen schweren Verkehrsunfall verhindern.


Hoher Blechschaden

Vier Minuten später rammt er seitwärts von links mit dem BMW einen Opel Zafira. Nur dem Zufall sei es zu verdanken, dass es nur zu Blechschäden kam, hieß es vor Gericht, insgesamt werden sie auf rund 10 000 Euro beziffert. "Es ist gerade noch mal gut gegangen", schilderte am Mittwoch ein Opfer. Ein anderes erklärt, warum es im Gegensatz zu anderen Verkehrsteilnehmern keine Polizei gerufen hat: "Solch eine Schilderung hätte mir keiner geglaubt."


Alle Vorwürfe eingeräumt

Der Beschuldigte hatte sämtliche Vorwürfe eingeräumt. Es sei aber nicht seine Absicht gewesen, dass schwere Verkehrsunfälle geschehen und andere geschädigt würden. "Ich musste das irgendwie tun, es war kein Vorsatz, es hat mich überkommen,", sagte er vor Gericht.
Dem psychiatrischen Gutachter gegenüber äußerte er sich ähnlich. Er habe "Auto-Scooter auf der Autobahn gespielt". Der Sachverständige bestätigte die schwere Erkrankung des Mannes mit sich abwechselnden manischen und depressiven Episoden im Rahmen einer bipolar-affektiven Störung. Das Unrecht der Taten könne er nicht einsehen Er sei aber wegen der diese Phasen begleitenden Aggressionen eine Gefährdung für die Allgemeinheit.
So sah es auch die Kammer, die alle Voraussetzungen für eine Unterbringung erfüllt sah: die krankheitsbedingte Schuldunfähigkeit, die rechtswidrigen Taten und die derzeit fehlende Garantie, dass keine Straftaten mehr folgen. Im Gegenteil seien weitere solche Fahrten oder anderes möglich, weshalb die Alternativen zur Unterbringung - wie eine Betreuung - verworfen worden seien.
Bei Menschen mit dieser Erkrankung seien alle Regeln außer Kraft gesetzt, eine lückenlose Rund-um-die-Uhr-Kontrolle aber nur bei stationärer Behandlung garantiert, so die Kammer. Eine erste Prüfung des Gesundheitszustands sei zudem nicht erst in Jahren möglich.
Der Angeklagte hörte ohne Emotionen zu. Bei den Opfern entschuldigte er sich.