von unserem Redaktionsmitglied 
Jennifer Hauser

Hausen — Dass Spargel ein Edelgemüse ist, dürfte für die meisten Menschen nichts Neues sein. Dass Spargel aber in Form eines Destillats schmecken soll, daran zweifeln dann doch einige. Markus Zeiß und Siegfried Zenk gehören nicht zu den Zweiflern. Denn sie sind überzeugt: Der Spargelgeist schmeckt großartig.

Hochprozentig, aber kein Schnaps

Die beiden Männer, die sich schon länger privat kennen, haben beide ihre Fachgebiete: Siegfried Zenk betreibt den Spargelhof Zenk in Hausen, Markus Zeiß leitet die Lindelberg-Brennerei in Igensdorf-Oberlindelbach. Wer genau die Idee vom Spargeldestillat hatte, das wissen die beiden nicht mehr genau. Über zwei Jahre her sei das schon her. Der Volksmund würde vermutlich Spargelschnaps zu dem hochprozentigen Produkt aus der Lindelberg-Brennerei sagen, doch Zeiß betont, dass es da einen großen Unterschied gibt. "Aus Spargel kann man keinen Schnaps brennen, denn er enthält keinen Zucker", sagt er. Deshalb wird der sogenannte Primasprit - der, wie der Namen sagt, sehr guter Alkohol ist - verwendet, um den Spargelgeist herzustellen. "Es gab schon früher Versuche", erklärt Zenk, "aber meistens hat es nur nach Spargel gerochen und war dann nicht trinkbar." Weil ihr erster Versuch von vor zwei Jahren bei Freunden und Familie gut angekommen war, entschieden sie, die Produktion auszuweiten. "Für uns war es das Wichtigste, dass der Geschmack vom Spargel gut transportiert wird", erklärt Zenk. Deshalb haben die beiden auch Wert darauf gelegt, dass nur die besten Grundprodukte verwendet werden. "Es macht für den Geschmack nichts aus, wenn die Stangen krumm sind", erklärt Zeiß lachend, "aber es muss schon Spargel erster Klasse sein."

Große Qualitätsunterschiede

Denn beim Spargel gebe es große sensorische Unterschiede, erklärt auch der Spargel-Experte. Es sei jedoch schwierig, beim Verbraucher ein Gespür für die unterschiedlichen Sorten zu etablieren. Außerdem sei es schlussendlich doch auch ein bisschen persönlicher Geschmack. Trotzdem setzt er auf Sorten, die nicht unbedingt die ertragreichsten, aber für ihn geschmacklich die besten sind. "Ich wollte nie den meisten Spargel in der Region haben", sagt Zenk, "ich wollte immer den besten haben." Er verspricht bei seinem Hausener Spargel sehr gute Qualität, auch weil er spätestens einen Tag nach der Ernte verkauft werde.
Auch Markus Zeiß legt Wert auf gute Qualität bei seinen Produkten. Er hat vor drei Jahren an der Hochschule Weihenstephan eine Ausbildung zum Edelbrand-Sommelier gemacht. Dabei hat er auch seine Geschmacksknospen trainiert, was seinen Geistern und Schnäpsen natürlich zu Gute kommt.
50 Liter Hundertprozentigen setzten Zeiß und Zenk für diese Saison an. Wenn er fertig destilliert ist, wird er verdünnt, so dass er "Trinkstärke" hat. Anschließend wird das bis dahin noch milchige Destillat filtriert. "Spätestens an Spargel silvester wollen wir damit anstoßen", sagt Zenk. Das wäre dann der 24. Juni, denn dann ist traditionell die Spargelsaison beendet und die Spargelbauern gehen in ein neues Jahr. "Aber eigentlich hoffen wir schon, dass er vorher fertig wird", sagt Zeiß, "schließlich schmeckt er am besten zu frischem Spargel."