Stephan Herbert Fuchs

Weil er sich aus Frust an einem Fahrzeug der Johanniter-Unfallhilfe regelrecht ausgetobt hatte, wäre ein 24-jähriger Handwerker aus Kulmbach beinahe hinter Schloss und Riegel gekommen. Nur weil zwei Geldstrafen aus früheren Verurteilungen erst nach dem Ausraster verhängt und bereits teilweise bezahlt wurden, kam der Angeklagte noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon.

Wegen Sachbeschädigung verurteilte ihn das Kulmbacher Amtsgericht zu fünf Monaten "mit". Zusätzlich muss er eine Geldauflage von 1500 Euro an den Bewährungshilfeverein "Fähre." überweisen.

2500 Euro Sachschaden

Nachdem seine Freundin kurz zuvor mit ihm Schluss gemacht hatte, ertränkte der 24-Jährige zunächst seinen Frust im Alkohol. Zu Hause angekommen parkte ausgerechnet ein Kleinbus der Johanniter-Unfallhilfe vor seiner Wohnung. Mehrfach trat er mit dem Fuß von verschiedenen Seiten so heftig gegen das Fahrzeug, dass ein Sachschaden von rund 2500 Euro entstand.

Er habe gar nicht gesehen, dass es ein Fahrzeug der Unfallhilfe war, sagte der Handwerker vor Gericht. Jedenfalls habe der Kleinbus so eng vor der Gartentür geparkt, dass er mit seinem Kasten Bier kaum mehr durchgekommen sei.

Dann gab es offensichtlich einen Filmriss, denn das Nächste, was der Mann wusste, ist, dass er von Polizeibeamten geweckt wurde.

Die Beamten hatte eine aufmerksame Nachbarin alarmiert. "Wir saßen auf der Terrasse und haben plötzlich laute Schläge gehört", sagte die 20-jährige Angestellte aus der Nachbarschaft. Dann habe sie den Angeklagten beobachtet, wie er mehrere Male gegen die Seite des Fahrzeugs getreten hatte. Sie habe noch "Hey" gerufen, was der junge Mann mit beleidigenden Ausdrücken quittiert habe.

Der Fahrer der Johanniter, der das Auto dort wie schon oft zuvor abgestellt hatte, bekam von dem Vorfall gar nichts mit. Er saß in seiner Wohnung in der Nachbarschaft und hörte über Kopfhörer Musik. Erst als ihm die Nachbarin eine Messenger-Nachricht übermittelte, wurde er auf das Geschehen aufmerksam.

Kein unbeschriebenes Blatt

Problem bei der Strafzumessung war, dass der 24-Jährige bei der Justiz alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist. Trotz seines jungen Alters hatte er seit dem Jahr 2012 bereits neun Eintragungen im Vorstrafenregister aufzuweisen.

Darunter war auch eine offene Bewährung wegen einer Drogengeschichte. Wegen einer Körperverletzung und einer Beleidigung gab es danach zwei Geldstrafen.

Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft ein klarer Fall, dass es diesmal keine Bewährung mehr geben darf. Jede Strafe sei der Versuch, den Angeklagten davon abzuhalten, dass er keine Straftaten mehr begeht. Genau das habe beim Beschuldigten bislang nicht funktioniert. Der Anklagevertreter forderte deshalb unter Einbeziehung der beiden Geldstrafen eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung in Höhe von sieben Monaten.

Verteidiger Andreas Piel fand trotzdem auch Gründe, die für eine nochmalige Bewährung sprachen. Sein Mandant habe sich in einer Stresssituation befunden, nehme aus freien Stücken seit einem halben Jahr regelmäßig Termine bei der Suchtberatung wahr, um seine Alkoholproblem in den Griff zu bekommen, und habe mittlerweile eine Lehre abgeschlossen. Piel plädierte deshalb auf sechs Monate mit Bewährung.

Das alles berücksichtigte auch Richterin Sieglinde Tettmann in ihrem Urteil von fünf Monaten auf Bewährung. "Ich gehe davon aus, dass es Ihnen wirklich leid tut", sagte die Richterin zum Angeklagten und ermahnte ihn gleichzeitig aufzupassen. "Die nächste Krise kommt bestimmt", sagte sie.

Die Geldauflage in Höhe von 1500 Euro kann der junge Mann auch in Arbeitsstunden umwandeln, er müsste dann 150 Stunden gemeinnützige Arbeit nach näherer Weise der "Fähre" leisten.